Dem Portier, der die Hand geöffnet hinhielt, spie er ins Gesicht. Stellte sich draußen vor den Zaun und ballte die Fäuste. Das Gesicht zerriß ein böser Krampf, und trockener Husten quälte die Kehle. Aber dann hakte sich etwas in die Stirn hinein und zog den Willen zurück von einem Sprung ins Rächerische. Beruhigte das Gehirn und fürchtete die letzte Armut nicht.

Wie er nun dastand und das Gespannte der Fäuste löste, brach weiße Sonne schräg durch die Wolken und verwirrte seine Augen so, daß sie tränten. Er bedeckte das Gesicht mit der Hand und ging in die Stadt zurück. Auf Umwegen. Es war ein steiler und steiniger Pfad, der über den Hügel zwischen Ginster hindurch führte.

Die Mutter betrachtete ihn blinzelnd.

Seine hervorstehenden Augen aber starrten ins Dunkel der Kammer. Und die Unterlippe fiel herab. Zum Reden war er an diesem Tage nicht zu bewegen.

Am dritten Tage endlich, nachdem er auf sechs Stellen abgewiesen war, im Walzwerk, in der Bleihütte, in der Ziegelei, Pumpanlage, Gasanstalt, Teerfabrik, bekam er auf der Koksmühle Arbeit. Da zwanzig Leute die Brocken dort hingeworfen hatten, nahm man gern Ersatz. Gleichviel, wo er herkam.

Nervil Munta, der einem Streikbrecher das Messer in die Rippen gesetzt hatte, nun selber ein solcher Lump?

Er fürchtete die letzte Armut nicht. Aber die andere Angst. Vor dem Ekel des Nichtstuns fürchtete er sich maßlos und griff darum zu und belobte den Tag und das Werk.

Da er zur Nachtschicht befohlen war, war ihm eine Last genommen. Die Genossen, denen er nicht gern begegnet wäre auf dem Werkgang, waren ihm auf diese Weise entrückt. Man würde nun nicht mit Fingern auf ihn zeigen. Ihn nicht anspein, auflauern, verprügeln.

Aber in Gedanken noch wollte er ein Körper der Freiheit sein. Entflohen aus der Armut, der Fremde, der Schande. Im Schaffen war ihm Leben. Wollust hierzu peitschte sein ungeschwächtes Blut auf.

Der Aufseher, bei dem sich Nervil Munta um acht Uhr zur Nachtschicht meldete, war der Schwager des erstochenen Jarse. Er beriet schon in Gedanken dem Mörder, der ihm in die Hände gegeben war, waffenlos und gedemütigt, die Minute seines letzten Blickes.