»Ich wünsche, den Professor zu sprechen,« sagte das Fräulein mit einem Lächeln, das selbst einen Stein erwärmt hätte, »mein Name ist Ilona Balogh, Porträtmalerin aus Pest.«

Wir wussten schon von ihr. In den paar Tagen, die sie in unsrer Stadt verweilte, hatte sie der jüngeren Künstlerschaft (vielleicht auch der älteren, doch, davon schweigt des Sängers Höflichkeit) soweit sie in ihre Nähe gerathen, durch ihre Schönheit und ihre pikanten Einfälle die Köpfe verwirrt. – Dienstbeflissen stoben wir auseinander. Rupert schob ihr den pomphaftesten der Krönungssessel hin, ich breitete dem gräulichen Vierfüssler einen kostbaren, persischen Teppich unter, Karl Schönborn pochte an des Meisters Thür, – wie ich vermuthe nicht ohne Herzklopfen, da dieser, wenn er sich zurückgezogen, eine Störung nicht allzu freundlich willkommen hiess – nur Hugo Lichtner stand wie ein gemeisselter Engel da und starrte mit verzückten Augen auf die junge Dame.

Fräulein Ilona bemerkte es – sie hätte sonst auch stockblind sein müssen – und rückte ihren Stuhl, um sich dem Bereich seiner Blicke zu entziehen; doch auch jetzt mochte sie die hypnotisirten Augen auf sich gerichtet fühlen, denn sie schürzte die Lippen wie in gutmüthigem Spott.

Ich war wüthend. War dies unsre grüne Unschuld, unser keuscher Joseph, den wir trotz aller mephistophelischen Versuchung, und trotzdem die hübsche Nanni in unsrer Künstlerkneipe sich mehr als nöthig in der Nähe des seraphischen Blondkopfs zu schaffen machte, nie zu der geringsten Aufmerksamkeit gegen das schöne Geschlecht bewegen konnten? Fräulein Balogh musste annehmen, das die Czikos auf ihrer Pussta mehr Lebensart besassen, als ihre jungen Künstlerkollegen. Ein vergnügtes Grinsen, das sich über Ruperts Gesicht zog, dämpfte meinen Aerger. Was hatte er wohl wieder ausgeheckt, um Hugo das Leben zu verleiden? Soeben war der Professor in die Thür getreten und geleitete den gut empfohlenen Gast in sein Privatkabinett.

»Habt ihr bemerkt, wie sie den Posaunenengel angesehen hat, so – ergriffen, möchte ich es nennen?« fragte Rupert. Sein Augenblinzeln, dem bei mir, dem neben ihm Stehenden, ein leiser Stoss mit dem Fusse nachhalf, erleuchtete uns augenblicklich.

»Ja wohl, ja wohl, in ihren Augen lag so etwas wie eine widerstandslos schmelzende Lawine,« versetzte Schönborn, angelegentlich seinen Vollbart streichend.

»Als sie dem Professor folgte, hat sie noch einmal den Kopf sehnsüchtig nach Hugo zurückgewendet,« fügte er hinzu, um hinter meinen phantasiebegabten Genossen nicht ganz und gar zurückzubleiben.

»Glücklicher Mensch, er hat das schönste Mädchen der Stadt im Sturm erobert!« rief unser Führer.

»Nein; glaubt ihr wirklich, glaubt ihr, sie habe mich auch nur bemerkt?« fragte Hugo in naiver Freude, mit seinem erröthenden Gesicht noch mehr als sonst einem Blasengel ähnlich, der seine Posaune für einen Moment absetzt.

»Glauben?« versetzte Rupert entrüstet, »Mensch, man hat doch Augen im Kopfe! Wenn das nicht ein Fall von Liebe auf den ersten Blick ist, dann kannst du mich für blind wie Hiob erklären.«