»Aber wie kam sie nur dazu, gerade mir, dem Unbedeutensten von euch, Aufmerksamkeit zu schenken?«
Rupert zuckte die Achsel.
»In dem elementaren Zuge von einem Herzen zum andern liegt gewöhnlich etwas Unbegreifliches,« predigte er. In seinem Munde nahmen sich die Lehren überlegener Weisheit stets ausserordentlich wirkungsvoll aus. »Aber höre mein Sohn, bilde dir nicht ein, dass du die Hände in den Schooss legen und dich wie ein vom Dach fallender Sperling auf die göttliche Vorsehung verlassen kannst. Die drinnen ist nicht die hübsche Nanni.«
»Erlaube mir die Bemerkung, dass ich es sehr geschmacklos finde, beide in einem Atem zu nennen,« warf Hugo mit ungewohnter Hitze ein.
»Ilona Balogh ist die Tochter eines romantischen Volkes, sie erwartet gewiss ein ritterliches Werben, etwas mittelalterlich troubadourmässiges,« dozierte Ahlfeld. »Ulrich von Liechtenstein, natürlich etwas den veränderten Zeitläufen angepasst, ohne zerschnittene Lippe und Verkleidung als Frau Venus (letztere würde die prosaische Polizei von heute gar nicht erlauben), das dürfte das angemessene sein, du verstehst mich doch?«
Unser armer Blasengel gab sich alle Mühe, aber zuletzt schüttelte er den Kopf; er verstand ihn nicht.
»Du schickst ihr jeden Tag Blumen und Gedichte; wenn du die letzteren nicht zu stande bringst, helfen wir dir alle drei dabei; – auch giebt es immer bei den Antiquaren alte, vergessene Schmöker voll lyrischer Empfindungen, die man, ohne ertappt zu werden, abschreiben kann. – Zur Besorgung derselben an deine Dame kannst du den Sohn meiner Hauswirthin verwenden, den anstelligsten kleinen Taugenichts, der je Stiefel auf unserm Pflaster zerriss.«
Gegen den vorgeschlagenen Betrug verwahrte sich das arme Opfer unsrer Ruchlosigkeit, aber mit den übrigen Vorschriften erklärte er sich einverstanden; ja er dankte seinem Mentor noch, weil dieser seiner Unerfahrenheit in Liebessachen so brüderlich zu Hilfe kam.
»Du zeigst dich ihr so oft als möglich mit deinem verführerischen Seraphslächeln und dem fascinierenden Blick, der sie vorhin so widerstandslos gefangen nahm, aber, höre mein Sohn, hüte dich, ihr durch ein Wort deine Gefühle zu verraten, bevor sie dir selbst die Erlaubniss dazu giebt.«
Dies erschien zwar bei Hugos Schüchternheit ohnehin ziemlich selbstverständlich, aber unser Freund wünschte sicher zu gehen.