Franzi hat es glücklicherweise nicht gehört, es hätte einen grauen Flor über ihre Seligkeit gebreitet. Ohnedies erscheint sie nicht so glücklich, wie man vermuthen sollte. Während Leonhard wie von Flügeln getragen einhergeht, schlägt sie die Augen zu Boden.

Es war ziemlich spät im Herbste. Leonhard hatte, weil die Blumen spärlich wurden, die zahlreichen Vasen mit prachtvollen farbigen Herbstblättern angefüllt, sie sahen wie leuchtend rothe, goldgelbe und broncefarbige Blüthen aus. Franzi konnte nicht umhin, einen Ausruf des Entzückens bei dem Anblick ihrer Wohnung auszustossen. Der Klang der Schelle hatte ihren Gatten von ihr fortgerufen. Sie war allein in ihrem Königreich. Zaghaft nahm sie ein Figürchen um das andere in die Hand, bewundernd beugte sie sich über die Stickereien, den Teppich, die Geräthe. Zuletzt trat sie vor den Spiegel. Und nun verwandelte sich der Ausdruck ihrer Züge, sie brach in Thränen aus.

Vielleicht hatte sie gehofft, inmitten der Wunderdinge die Franzi von ehemals mit rosigem Antlitz und Wangengrübchen, Goldglanz auf dem Haar und schalkhaftes Leuchten im Auge, zu erblicken. Aber aus dem Spiegel trat ihr ein Schatten ihres alten Selbst mit traurigen Augen und einem Gesicht entgegen, aus dem selbst diese Stunde des Glückes das Gepräge der Resignation, des unaufhörlichen Verzichtens nicht zu verwischen vermocht hatte. Geheimnissvoll vor sich hinlächelnd trat Leonhard wieder ein. Da er sie weinen sah, blieb er wie erstarrt stehen. Dann eilte er auf sie zu; wenn sie Heimweh fühlte, dann sollte sie es an seinem treuen Herzen überwinden. Aber sie machte sich heftig los.

»Müssen wir uns nicht schämen, uns wie andere neuvermählte Paare zu gehaben? Schnee liegt auf unserem Scheitel, Furchen ziehen sich durch unsere Züge.«

Er hatte es bisher nicht bemerkt, dass sie sich verändert. Für ihn war sie die Franzi geblieben, um die er in ihrem Lenz geworben. Und auch jetzt, nachdem sie ihm die Binde von den Augen gerissen, meinte er, es gäbe kein schöneres, kein anziehenderes Weib in der Welt. Er sah sie mit den Augen der Erinnerung.

»Können wir denn noch glücklich werden?« fragte sie, »vermagst Du mein verblühtes Gesicht noch zu lieben?«

Er eilte vor die Thür und trug mit Aufgebot aller Kraft einen Blumenkorb von ungeheurem Umfang, gefüllt mit herrlichen, frischen Blüthen, herein; eine Schülerin hatte ihn dem Ehepaar zum Einzug in das Haus gesendet.

Leonhard wies auf die prächtigen Rosen, auf Nelken und Heliotrop.

»Es ist Herbst,« sagte er, »die Luft ist rauh, und Nebel füllt die Strassen. Aber furchtlos strecken sie die feinen duftenden Köpfchen in die Luft hinaus und freuen sich der Stunden, in welchen die Sonne ihnen scheint.«

»Und wie lange dauert es,« warf sie herbe ein, »dann kommt der erste Frost und vergilbt ihre Blätter.«