Sie wurde feuerroth und murmelte etwas von ihrem Sonntagsstaat, und dass sie in einer Viertelstunde zurück sein könne. Aber davon wollte er nichts wissen. Er fand ihren Schmutz und die Risse im Röckchen malerisch.

»Saubere Dirndln kann ich genug haben,« sagte er, »ich brauche gerade so eine Staubdistel, wie du bist. Was hast du denn vorhin angestellt? Steine nach Sperlingen geworfen; ich habe es wohl gesehen; das ist ein hübscher Zeitvertreib für ein Mädchen.«

Sie machte ihr trotzigstes Gesicht, und das wollte er haben; so passte es für die Skizze des jungen Wildlings.

»Die Spatzen fressen die Kirschen auf«, vertheidigte sie sich, ohne ihr Gewissen darüber zu beschweren, dass eine sehr grosse Schaar diebischer Vögel keinen solchen Ausfall in der Kirschenernte verursacht hätte, wie sie selber.

»Du hast Dich wohl um Deine schönen Ohrgehänge gefürchtet, wie? Behalte sie nur an, die kommen auch in mein Buch«, sprach Fritz Teubner, eifrig zeichnend.

In Crescenz hatte sich bisher sehr wenig Mädcheneitelkeit und Zierlichkeit geregt. Jetzt aber standen die Risse in dem Kleide, die beschmutzten, zerkratzten Hände, die blaugefärbten Lippen als wahre Schrecken vor ihr. In die grosse Stadt und auf die Leinwand kommt doch Edelfräulein und Bauernmädchen gern in vortheilhaftester Gestalt, und wie sah sie aus! Sie war mit ihrem Vater einmal in Wien und in der Kunstausstellung gewesen, sie hatte Bilder gesehen, auch Bauernbilder, aber wie schmuck und ordentlich erschienen die! Cenz schwur allerhand theuere Eide, dass kein Malerauge sie jemals wieder in solch' einem Aufzuge erblicken solle. Am wenigsten das des jungen Künstlers, das es ihr angethan hat. Er spricht mit ihr so lustig und so freundlich, als kenne er sie schon seit Jahren.

»Wie alt bist du eigentlich, Cenz?« fragte er, denn ihren Namen hat sie ihm schon gesagt.

»Vierzehn Jahre.«

Er macht grosse Augen; sie ist klein und schwächlich für ihr Alter. Aber was ihn befremdet, ist doch nur, dass bei der ihm wohlbekannten Ausnutzung der Menschenkraft beim Landvolk, dieses halbwüchsige Ding so ohne jede Beschäftigung herumstreift. Er hält sie für ein verwahrlostes Kind aus armseligem Hause, das merkt Crescenz wohl, denn sie ist nicht dumm. Als er nun auf seine Frage erfährt, dass sie das älteste Kind des reichen, ansehnlichen Kreuzwirths ist, schüttelt er den Kopf. Das Mädchen fügt wie beiläufig hinzu, dass sie eine Stiefmutter habe, und dies scheint ihm Alles zu erklären. In dem jungen Unkraut aber steigt siedendheisse Reue auf. Sie weiss, dass die arme brave Frau nicht aufhört, die Hände zu rühren, damit die Erscheinung ihrer Stieftochter ihr keine Schande mache. Auch sehen die jüngeren Geschwister meist schmuck genug aus, da, wenn Crescenz's Beispiel verführend auf sie wirkt, der Mutter Hand flink genug ist, sie auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. Nur die Stieftochter, des Vaters Liebling, geht bei allen Missethaten straflos aus. Fritz ist fertig und lässt sie die Skizze sehen. Sie schreit auf. So also stellt sie sich den Mitlebenden – und auch dem jungen, hübschen Künstler – dar. Man könnte sie für eine Landstreicherin halten. Schier möchte sie weinen, aber sie schluckt die Thränen tapfer hinunter.

»Bleibst, bleiben S' noch länger im Dorf?«