»Wir wollen nicht den geringsten Anlass zum Tadel geben. Wenn wir auch gezwungen sind, auf heimlichen Wegen zu gehen, so wollen wir uns doch benehmen, als wären Mama, Papa und Institutsvorsteherin zugegen.« Damit setzte ich mich auf die eine Seite des wackeligen Tisches und wies ihm den Platz mir gegenüber an.

»Doch wenn ich deine Hand nicht in meinen ungeschlachten Fingern halten kann, Jenni, dann weiss ich nicht recht, wie ich anfangen soll,« sagte mein langer Freund hilflos. Die freundliche Strassenlaterne fiel ihm gerade auf das Gesicht. Was für ehrliche, treue Augen er hatte und wie warm Einem um's Herz wurde, wenn man in sie hineinsah! Ich gab ihm meine Hand, und nun begann er:

»Du weisst wohl, dass ich ein Gut geerbt habe, Jenni, keine Herrschaft, aber ein ganz stattliches Bauerngut.« Dabei drückte er mir die Hand; aber da ich nicht wusste, wo er hinaus wollte (vielleicht wusste ich's auch und behielt es blos für mich), so wünschte ich ihm blos Glück. Es werde ihm gut thun für sich selber, auf seinem eigenen Grund und Boden zu arbeiten.

»Hm,« sagte er, stockte und fing mit einiger Anstrengung wieder an: »Zu solch' einer Farm gehört eine hübsche, junge Frau, Jenni.«

Das überraschte mich. Seine Mutter war ja noch so rüstig und würde ihm gewiss mit Freuden haushalten.

Aber ich wurde feuerroth, als ich diese passende Bemerkung murmelte und segnete die Strassenlaterne, in deren Schatten ich sass.

Er schüttelte den Kopf. Die Alten wollten nicht mehr wirthschaften. Sie hatten sich ein hübsches Sümmchen erspart und gedachten sich im Hause des Sohnes zur Ruhe zu setzen.

Und dann meinte er mit einem verlegenen Lachen, er wisse auch schon von einer Frau. Die Frage sei nur, ob ihr das Loos, das er ihr bieten könne, glänzend genug sei, sie habe bessere Aussichten. Aber ein treueres Herz fände sie sicher niemals und wärmere Liebe auch nicht.

Dabei blickte er mich so bittend an, und in seinem Gesicht lag solch' eine Sorge wegen der glänzenden Aussichten, dass ich ein Stück Holz hätte sein müssen, um länger an mich zu halten.

»Kein glücklicheres Loos kann es geben, als an Deiner Seite, Balthasar!« rief ich.