»Aber...«
»Dabei ist kein ›aber‹. Sie sollen nur sehen, wie hübsch und was für ein braver Mensch mein Neffe ist!«
»Ja, du bist hübsch, Frasquita!«
»Gefalle ich Ihnen?«
»Gewiß gefällst du mir! Es giebt keine zweite Frau wie dich.«
»Nun sehen Sie, hier ist nichts Falsches,« antwortete die Seña Frasquita, schob den Ärmel ihres Kleides ganz in die Höhe und zeigte dem Corregidor den bisher verhüllten Teil ihres Armes, der einer Karyatide würdig gewesen wäre und weißer als eine Lilie war.
»Und ob du mir gefällst!« fuhr der Corregidor fort, »Tag und Nacht, zu jeder Stunde, überall, denke ich nur an dich.«
»Aber wie? Gefällt Ihnen denn die Frau Corregidor nicht?« fragte Seña Frasquita mit einem so gut geheuchelten Mitleid, daß es einen Hypochonder zum Lachen gebracht hätte. »Wie schade! Als mein Lucas Ihre Alkovenuhr zurecht gemacht hat, da hat er das Vergnügen gehabt, sie zu sehen und mit ihr zu sprechen, und er hat mir gesagt, daß sie sehr hübsch und sehr gut und so liebenswürdig im Umgange sei.«
»Nicht so sehr, nicht so sehr!« murmelte der Corregidor mit einer gewissen Bitterkeit.
»Dagegen haben andere mir gesagt,« sprach die Müllerin weiter, »daß sie ein sehr böses Temperament habe, sehr eifersüchtig sei, und daß Sie vor ihr wie vor einer grünen Rute zitterten.«