»Nicht so sehr, Frau,« wiederholte Don Eugenio de Zuñiga y Ponce de Leon, indem er ganz rot wurde. »Nicht so viel und nicht so wenig, die Frau Corregidora hat so ihre Launen, gewiß... aber zwischen dem und vor ihr zittern ist doch noch ein großer Unterschied. Ich bin der Corregidor.«
»Aber schließlich haben Sie sie lieb oder nicht?«
»Ich will dir sagen... ich liebe sie sehr... oder besser gesagt, ich liebte sie sehr, bevor ich dich kennen lernte. Aber seit ich dich sah, weiß ich nicht, was mir geschah, und sie selbst merkt, daß etwas in mir vorgeht. Genug, heute zum Beispiel, wenn ich das Gesicht meiner Frau berühre, so macht es mir den Eindruck, wie wenn ich mein eigenes berührte. Siehst du wohl, mehr kann man sie doch nicht lieben und auch nicht weniger fühlen. — Dagegen, könnte ich diese Hand, diesen Arm, dieses Gesicht, diese Taille berühren, würde ich dafür geben, was ich nicht habe.«
Und während der Corregidor so sprach, versuchte er, sich des entblößten Armes, den die Seña Frasquita ihm buchstäblich unter die Nase rieb, zu bemächtigen; aber diese, ohne ihre Fassung zu verlieren, streckte die Hand aus, berührte die Brust Seiner Gnaden mit der friedlichen Gewalt und unwiderstehlichen Festigkeit eines Elephantenrüssels und warf ihn mit Stuhl und allem auf den Rücken.
»Ave Maria purisima!« (Heilige Jungfrau Maria!) rief inzwischen die Navarresin und lachte wie toll. »Der Stuhl war wohl gar zerbrochen?«
»Was geht hier vor?« rief in diesem Augenblicke Tio Lucas, indem er sein häßliches Gesicht durch die Weinblätter steckte.
Noch lag der Corregidor auf dem Rücken am Boden und blickte mit unaussprechlichem Entsetzen zu dem Manne empor, der in der Luft auf dem Bauche liegend erschien.
Wie ein Teufel sah er aus, aber nicht wie einer von St. Michael, sondern wie ein von einem anderen höllischen Dämon besiegter.
»Was soll hier vorgehen?« beeilte sich die Seña Frasquita zu sagen, »der Herr Corregidor hatte seinen Stuhl nicht fest aufgestellt, er fing an sich zu wiegen, und da ist er gefallen.«
»Jesus, Maria und Joseph!« rief seinerseits der Müller aus, »Ew. Gnaden haben sich doch nicht etwa Schaden gethan? Wollen Ew. Gnaden ein wenig Wasser und Essig?«