»Antworte mir nicht!«

Garduña verbeugte sich.

»Also du sagst,« fuhr der Corregidor fort, indem er sich allgemach besänftigte, »daß schon heute Nacht alles geordnet werden kann? Nun, weißt du, das scheint mir sehr gut. Teufel noch einmal! So werde ich doch endlich von dieser grausamen Ungewißheit befreit werden.«

Garduña schwieg.

Der Corregidor wandte sich an den Schreibtisch, schrieb einige Zeilen auf Stempelpapier, das er seinerseits noch stempelte, und verwahrte es dann in seiner Westentasche. »So, die Ernennung des Neffen wäre gemacht,« sagte er dann und nahm eine Prise Tabak. »Morgen werde ich mich mit den Regidoren (Stadträten) darüber verständigen, und entweder sie genehmigen sie einstimmig, oder der Teufel soll sie holen. Meinst du nicht auch, daß ich recht thue?«

»Das ist es, das ist es,« rief der begeisterte Garduña aus, indem er die Pfote in die Tabaksdose des Corregidors versenkte und dieser eine Prise entführte. »Das ist es, Ew. Gnaden Vorgänger ist auch niemals vor einem Hindernisse zurückgeschreckt. Einmal...«

»Laß das Geschwätz!« versetzte der Corregidor, indem er der räuberischen Hand einen Schlag mit dem Handschuh versetzte. »Mein Vorgänger war ein Esel, weil er dich zum Alguacil hatte. Aber kommen wir wieder auf unsere Angelegenheit zurück. Du sagtest mir, daß die Mühle des Tio Lucas zum Gerichtsbezirk des nächsten Fleckens und nicht zu dem dieser Stadt gehört... Bist du ganz sicher?«

»Ganz sicher. Der Gerichtsbezirk der Stadt hört mit dem Graben auf, wo ich heute Nachmittag saß, um Ew. Gnaden zu erwarten. Heiliger Lucifer! Wenn ich an Ihrer Stelle gewesen wäre.«

»Genug!« schrie Don Eugenio, »du bist ein Unverschämter!« Er ergriff einen halben Bogen Papier, schrieb ein Billet, schloß es, indem er eine Ecke umschlug und übergab es Garduña. »Da hast du den Brief, den du von mir für den Alkalden des Ortes verlangt hast,« sagte er gleichzeitig zu ihm. »Du wirst ihm noch mündlich alles erklären, was er zu thun hat. Du siehst wohl, ich führe deinen Plan buchstäblich aus. Aber wehe dir, wenn du mich in eine Sackgasse bringst!«

»Seien Ew. Gnaden unbesorgt,« antwortete Garduña. »Señor Juan Lopez hat viel zu fürchten, und sobald er nur Ew. Gnaden Unterschrift sieht, wird er alles thun, was man ihm befiehlt. Dem königlichen Rentamt schuldet er mindestens tausend Fanegas Getreide und dem Kirchenamt ebensoviel. Und dies letztere gegen alles und jedes Gesetz, denn er ist weder eine Witwe, noch ein armer Arbeiter, um das Korn zu erhalten, ohne Zinsen darauf zu zahlen, sondern ein Spieler, ein Trunkenbold und ein Ehrloser, ein Freund von Weibern, über den der ganze Flecken entrüstet ist... Und jener Mensch übt die Autorität aus. Aber so geht es in der Welt!«