»Ich ins Gefängnis? Ich? Der Corregidor der Stadt?«

»Der Corregidor der Stadt, der Vertreter der Gerechtigkeit, der Bevollmächtigte des Königs,« antwortete die hohe Dame mit einer Strenge und Energie, welche die Stimme des angeblichen Müllers vollständig erstickten, »kam zur schicklichen Stunde nach Hause, um von den edlen Aufgaben seines Amtes auszuruhen und morgen fortzufahren, die Ehre und das Leben der Bürger zu schützen, die Heiligkeit des Herdes und die Sittsamkeit der Frauen zu schirmen und zu verhindern, daß irgend jemand als Corregidor oder in anderer Weise verkleidet in das Schlafgemach einer fremden Frau eintrete, damit niemand die Tugend in ihrer sorglosen Ruhe überraschen könne, niemand ihren keuschen Schlaf mißbrauchen...«

»Merceditas! Was sagst du da?« zischte der Corregidor zwischen Lippen und Gaumen. »Wenn es wahr ist, daß dies in meinem Hause vorgekommen ist, so sage ich dir, daß du eine Treulose, eine sittenlose Person bist.«

»Mit wem spricht dieser Mensch?« unterbrach ihn die Corregidora verächtlich und ließ ihren Blick über die Umstehenden schweifen. »Wer ist der Wahnsinnige? Wer ist der Betrunkene? Kaum kann ich noch glauben, daß Ihr ein ehrlicher, anständiger Müller wie der Tio Lucas seid, trotzdem Ihr sein ländliches Kleid tragt. — Señor Juan Lopez, wißt,« fuhr sie fort, indem sie dem vernichteten Dorfschulzen ins Gesicht sah, »daß mein Mann, der Corregidor der Stadt, vor zwei Stunden nach Hause gekommen ist, mit seinem Dreispitz, seinem roten Mantel, seinem Kavaliersdegen und seinem Amtsstock... Die hier gegenwärtigen Dienstboten und Alguacilen sind aufgestanden und haben ihn gegrüßt, als sie ihn durchs Portal kommen, die Treppe hinauf und durchs Empfangszimmer schreiten sahen. Dann haben sie die Thüren geschlossen, und seit der Zeit ist niemand in meine Wohnung eingetreten, bis Sie ankamen. Ist das wahr? Antwortet ihr...«

»Es ist wahr, es ist sehr wahr,« antworteten die Amme, die Diener und die Polizeidiener, die alle, an der Salonthür gruppiert, jener eigentümlichen Scene beiwohnten.

»Hinaus mit euch allen!« rief Don Eugenio wutschnaubend. »Garduña! Garduña! Komm und nimm diese Elenden, die den Respekt vergessen, gefangen. Alle ins Gefängnis! Alle an den Galgen!«

Garduña war nirgends zu sehen.

»Übrigens, Señor,« fuhr Doña Mercedes fort, indem sie den Ton änderte und ihren Mann anzusehen und ihn als solchen zu behandeln geruhte, da sie fürchtete, der Scherz könnte vielleicht zu unheilbaren Resultaten führen, »nehmen wir einmal an, daß Sie Don Eugenio de Zuñiga y Ponce de Leon wären...«

»Ich bin es!«

»Nehmen wir einmal an, daß mich einige Schuld träfe, weil ich einen Mann, der als Corregidor gekleidet in mein Schlafzimmer drang, für Sie gehalten habe...«