„Nu, Steff!“ sagte das Grauhaupt, und das Wort war ein Ermahnen zum Platznehmen.

„Na,“ versetzte der Bursche, weinerlich lächelnd, „da setz’ ich mich nicht hin, ich nicht. Das ist schon gar aus der Weis’! – So – hell mutternackt!“

Wie konnte nur Meister Eman dem jungen unverdorbenen Kirchensteff, der zur Bruderschaft des heiligen Aloisius zählte, zumuthen, neben der capitolinischen Venus Platz zu nehmen! Indeß bemerkte der Bildner lächelnd sein Fehl, und in der Nähe einiger Kobolde und ziegenfüßiger Faunen fand sich eine prächtige Sitzstelle für den jungen Mann.

„Was verschafft mir nur heute den Besuch?“ fragte der Bildner.

„Gelt, das ist zum Verwundern!“ rief das Grauhaupt und rieb sich vergnüglich einigen Erdstaub von seinem Zwilchärmel, denn er war der Todtengräber. Aber nicht in dieser Eigenschaft war er heute zu dem Hause des Bildners emporgestiegen, sondern in jener seines zweiten Amtes, denn er war auch Kirchenvater, d. h. der Mann, der nebst dem Pfarrer die Aufsicht über die Dorfkirche führte und an Sonn- und Feiertagen als Meßner waltete.

„Schaut, Meister Eman,“ sagte er schmunzelnd, „ein Grabkreuz brauch’ ich diesmal nicht, und redlich herausgesagt, Meister, die Grabkreuze macht Er nichts nutz. Mehr Blut muß auf die Herrgötteln kommen, viel mehr Blut; und die armen Seelen im Fegfeuer läßt Er ganz und gar aus. Hätt’ Ihm auch sagen mögen, daß sich ein Bildniß, wie Er es auf Seiner Gottseligen Grab gestellt, in einen christlichen Friedhof gar nicht reimt. Geht mich aber insoweit nichts an; und wir wissen es allmiteinand’, der Meister kann Seine Sach’ schon auch gut machen, wenn Er nur will. Wir bringen Arbeit, Meister.“

Der Meister lächelte ein wenig über den bevormundenden Ton des Kirchenvaters, und da er von den Leuten vollständig unabhängig war, so ließ er sich derlei Bemerkungen um so gleichgiltiger gefallen. Nun hatte er seinen Schnitzer beiseite gelegt und sich dem Grauhaupte gegenübergesetzt.

„Ja, ja,“ sagte der Kirchenvater und schlug seine flache Hand auf die Lederhose des Oberschenkels, daß es klatschte, „das ist eine verzweifelte Geschichte, jetzt; wir brauchen eine neue schmerzhafte Mutter Gottes auf unseren Hochaltar. Die alte ist schon caput über und über. In drei Tagen ist Frohnleichnam, mag Er uns bishin eine schaffen?“