Der Meister zwinkerte mit den buschigen Brauen, hob langsam seine Stirne empor, daß sich das Gesicht erklecklich verlängerte und über die Schläfe scharfe Runzeln zog.
„Drei Tage arbeitet der Schneider an einer Joppe,“ sagte er hierauf.
„Halt nu,“ brummte der Kirchenvater, „wenn der Meister meint, daß Er in drei Tagen nicht fertig werden kann mit der Schmerzhaften, so hat’s ’leicht wohl Zeit bis zum Sonntag.“
„Mein sehr guter Vetter,“ entgegnete der Meister in der landesüblichen Redensart, „unfertig kommt nichts aus meinen Händen, denn die Dinge, die wir als Bildnisse aufstellen, halten länger als ich, als Ihr, als das jüngste Knäblein Eurer Gemeinde. Und wehe Dem, der Aergerniß giebt einem kommenden Geschlechte! Wenn ich bereit bin, die Arbeit zu übernehmen, so kann das Frauenbild bis zur Weinachtszeit hin fertig werden.“
Schier sprachlos war der Kirchenvater. Da ergiff sein Sohn, der Steff, das Wort, und meinte, gut Ding brauche Weile, und man müsse halt einstweilen den Fastenschleier über die Mutter Gottes hüllen, denn es sei schon gar alles Gold weg von ihrem Rock, und von den sieben Schwertern in ihrer Brust seien fünf schon armselig abgebrochen; in solchem Zustande, das sei wohl einzusehen, könne sie sich nicht mehr länger ansingen lassen.
„Liebe Leute,“ sagte nun der Bildner, „wenn ich das Bildniß schnitze, so soll es, so weit das in meinen Kräften steht, ein Kunstwerk werden. Ein einfaches, würdiges Bild, die Gestalt einer glorreichen Himmelskönigin und demüthigen Jungfrau zugleich; ein Bild, das die frommen Beter mit Andacht und Liebe erfüllt.“
„Und der sieben Schwerter wegen wollt’ ich noch sagen,“ meinte das Grauhaupt, „wenn sie halt thäten vergoldet werden; die Ottenkircher haben es auch so.“
„Soll ich das Bild verfertigen,“ sagte der Meister nicht ohne Nachdruck, „so werden die Schwerter ganz wegbleiben. Der Schmerz der Gottesmutter soll in der Stellung der Gestalt und auf dem Antlitze ausgedrückt sein.“
„Eine Schmerzhafte ohne Schwerter!“ rief der Kirchenvater aus.