„O du nichtsnutzig Volk!“ schrie das Frauchen, „ansonsten sind sie Heidenkerle über und über, verlästern die Mutter Gottes ihrer heiligen sieben Schwerter wegen, schnitzen Weibsbilder, rein wie sie Gott erschuf –“

Ueber ihre eigene Wendung erschrocken, hielt sie inne.

„Ja wohl,“ lachte der Jüngling, „wie sie Gott erschaffen in der Schöne und in der Unschuld.“

„Ei ja, spott’ nur zu: Du kannst lange spotten, bis Du unserm lieben Herrgott ein Ohr abspottest. Euch ist schon gar nichts heilig, als etwan der schwarz’ Bub’ mit den Hörnern. Wollt’ aber einmal so ein unschuldig Zickel da drin ein paar Halme nagen, gleich fiele Euch der Himmel ein. Ja, der Herrgott ist um eine Klafterlänge barmherziger als so ein hergelaufen Gesindel, der läßt auch im Kirchhof Futter wachsen. Für wen denn? Fressen die Todten Gras? Gut, Du Neidhammel, so laß es den Ziegen, und trotz’ nicht und mach’ Dich fein bald auf die Socken, Du Vagabund, Du!“

Der Greis hatte sich bei dieser Angelegenheit jeglichen Wortes enthalten. Nun hielt es auch Aladar für überflüssig, noch einmal den Mund aufzuthun. Er verscheuchte die Thiere, schlug das hölzerne Thor zu und nahm den Schlüssel mit sich. Das Frauchen zeterte noch, daß es im ganzen Dorfe nachklang.

Der Bildner suchte den Kirchensteff, um ihm den Schlüssel zu übermitteln. Er fand den Strohlockenkopf in der Futterkammer seiner Stallung, unweit der Kuhmagd, und zwar in einem Zustande, der sich nicht ganz zu jener Entrüstung reimen wollte, die den Steff gestern abgehalten, bei der capitolinischen Venus Platz zu nehmen. Die Beiden, der Steff und die Magd, führten nämlich in dieser Verborgenheit ein behend Tänzchen auf, zu welchem der Brunnen draußen den Takt plätscherte. Das eben ist das Mißliche bei den Mitgliedern der Aloisiusbruderschaft, daß sie öffentlich kein Tänzchen und kein Küßchen halten dürfen.

„Der Freithofschlüssel ist das?“ stotterte der Bauernbursche nun vor dem Alten, „ja, dann muß ich ihn aber gleich der Pfarrerköchin schicken, sie kunnt ja die Gaisen nicht unterbringen über Nacht, und der Ziegenstall ist noch nicht fertig.“

Als unsere Bildner wieder durch den abendlichen Wald hinaufgingen, sagte der Greis zum Jüngling:

„Was meinst Du, mein Junge, wirst Du noch einmal den Anwalt der Todten spielen?“

„Das werde ich,“ versetzte Aladar trotzig.