„Du Schwärmer, ich will Dir ein Wort sagen.“
„So sage es.“
Der Alte blieb stehen und sagte gelassen: „Der Lebende hat Recht.“
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Das Frohnleichnamsfest war pomphaft abgehalten worden. Die Gemeinde war mit Fahnen und Kränzen durch das Thal gezogen; der Weihrauch stieg empor und verschwamm in dem Sonnenäther des Morgens. Weiße Jungfrauen trugen das dicht verschleierte Bild der „Schmerzhaften“ mit den Schwertern. Kerzenlichter flimmerten und zwei Glöcklein begleiteten den Zug. Der Kirchenvater hatte einen rothen Mantel um und trug mit noch drei anderen ehrenhaften Männern den „Himmel“, unter welchem der Priester ging. Der Steff trug die Aloisiusfahne und seine Augen schlug er fromm zum Himmel auf oder züchtig zur Erde nieder.
Der alte Eman stand auf dem Söller seines Hauses und blickte in das Thal und auf den Gottesdienst unter freiem Himmel. Er hörte die Glöcklein, er sah das Flimmern der Lichter.
„Wohl,“ lispelte er, „die Trophäe des Prometheus tragen sie auch mit sich. Noch lebt ein Funken der Lichtsehnsucht unter den Menschen.“
Aladar hatte den kirchlichen Auszug von der Nähe besehen, als er nach Hause kam, war er kleinlaut und schwermüthig.
„Du bist ergriffen, Aladar,“ bemerkte der Alte, „ja, es liegt etwas unendlich Rührendes in dem Gedanken, wie heiß die Menschen aller Länder in ihrer Art nach dem Reiche Gottes ringen.“