Aber der Jüngling wendete sich ab und schwieg. Und sein sonst so freundlich offenes Gesicht war betrübt.

Das blieb tagelang so, und Meister Eman kam schon auf den Gedanken, es sei in seines Sohnes Herz jener Funken gefahren, der ewiglich aus Eros’ Fackel sprüht, alle Jugend durchlodert und die Welt vor Erstarrniß wahrt.

Aber es war etwas Anderes, und seines Jungen Schwermuth sollte der Alte auch an sich selbst erfahren. Eines Tages, als Eman wieder das Grab seines Weibes besuchte, fand er die Marmorstatue zertrümmert. Jedes der Stücke, die auf den Hügel lagen, trug die Spur einer gewaltsamen Zerstörung. Eman fragte nicht, wer es gethan. Er wankte nach Hause, that einen Blick nach der Büste der Eos, stieg empor die Treppe, setzte sich auf den sonnigen Söller und starrte hinaus in die Himmelsweite.

In seiner Werkstatt hatte er von diesem Tage ab nichts mehr angerührt. Helios’ schönes, kunstreich vollendetes Haupt ragte fast dämonenhaft aus dem starren Holzklotze; kein Schnitt wurde an dem Bilde mehr gethan. Der alte Mann saß, selbst eine Bildsäule geworden, auf dem Söller und blickte unverwandt in den lichten Sommer hinaus. Er war im Herzen getroffen.

Aladar war Tag und Nacht bei seinem kranken Vater. Einmal hatte er es versucht, ihn zu trösten, da lächelte der alte Mann und sagte: „Des Menschen Werk wird vergehen, aber sein Ideal lebt. Und es lebt die Treue. Laß mich, mein Kind, das Auge noch im Lichte weiden, ehe es in den Schatten des Grabes vermodert.“

Als in den nahen Tannen die reinen Lüfte des Herbstes zu rieseln begannen, war der alte Eman in dem Tempel seines Hauses entschlummert.

Aladar, der schöne Jüngling mit dem stolzen freundlichen Lockenhaupte, stand vor dem Schläfer und ließ sein umschattetes Auge ruhen auf dem lieben alten Antlitze, das die Silbersträhne des Haares und des Bartes ehrwürdig umrankten. Das war ein freundliches Bild, die Furchen der Stirn waren völlig geglättet, auf den schmalen Wangen lag ein mildes Weiß und auf den Lippen lag die Güte und das Lächeln des Entschlummernden versteinert.

Aladar umarmte den Todten und küßte mit Innigkeit das Angesicht. Dann ließ er ihn auf dem wohlverwahrten Söller sitzen, das Antlitz nach dem Aufgange der Sonne gewendet.

Und dann verschloß er das Haus. Im Freien stand er still und blickte rings um sich. War das sein heiteres Heimatsthal? Nein, das war die kalte Fremde.