Zum Dorfe stieg er hinab und im Pfarrhofe klopfte er an.
Das Frauchen ließ ihn unzähligemal klopfen und war gar außerordentlich vergnügt, daß es jenen verweigerten Eingang in den Kirchhofsgarten an diesem Thore vergelten konnte. Endlich kam der Pfarrer selbst, um zu öffnen.
Aladar berichtete den Tod seines Vaters und bat den Pfarrer, das Grab für den Verstorbenen an der Seite jenes seiner Gattin bereiten lassen zu wollen.
„Lieber junger Herr,“ entgegnete der Seelsorger, „selbst der beste Christ kann bei uns die Stelle seines Grabes nicht wählen; wir begraben die Leute nach der Reihe.“
„Irre ich nicht, Hochwürden, so ist in dieser Zeit die Reihe ungefähr am Grabe meiner vor sechzehn Jahren hier verstorbenen Mutter. Der Todtengräber hat mir gesagt, daß der Kreis auf dem Kirchhof von sechzehn zu sechzehn Jahren vollendet wird. Der Preissatz wird für beide Gräber sofort bezahlt werden.“
Der Pfarrer ging langsam die Stube auf und ab und barg seine Hände in den Taschen seines Taffet-Talars.
„Es ist gar sehr die Frage, junger Mann,“ entgegnete er nun, „ob es überhaupt statthaft ist, Ihren Vater in unserem katholischen Friedhofe zu begraben. Wie stand es mit seiner Religion?“
„Ich kann den Taufschein aufweisen,“ sagte Aladar.
„Ei jerum!“ machte der Pfarrer, „auf den Taufschein kommt es nicht an; einen solchen hat der Luther auch gehabt. Es sind ganz andere Bedenken. Ihr Vater hat lange Jahre in unserer Gemeinde gelebt; ist er aber jemals in der Kirche gesehen worden? Hat er nicht mit unseren altehrwürdigen Bildnissen gehadert? Hat er nicht zum Aerger der ganzen Gemeinde eine stockheidnische Darstellung mitten in unseren Kirchhof gesetzt? Und sein Haus dort oben, ist es nicht ein wahrer Götzentempel voll gottloser unzüchtiger Bildnisse? Der Künstler hat sein Talent von Gott; wehe Dem, der es zu Gottes Schmach mißbraucht!“