„Ich verweigere es nicht, ich bin ein Diener der Kirche. Und die Kirche kann einen Menschen, der so weit entfernt war, der Unsere zu sein, der so böses Aergerniß gegeben – sie kann schon aus Rücksicht für die Gemeinde einen solchen Menschen nicht in die Gemeinschaft der Christgläubigen aufnehmen.“
„Und wissen Sie, daß mein Vater, als er sein Weib hier begraben hatte, auf die Welt, auf ihre Güter und Ehren, auf die Künstlerlaufbahn verzichtete, in dieser Gegend verblieb, Entbehrung, Schmach und Kränkung in aller Weise erduldete, nur um den Grabhügel seiner Gattin zu hüten und dereinst an ihrer Seite ruhen zu können? Aber nein, Ihr wißt ja nicht, was Gattenliebe heißt, was Herzenstreue bedeutet –“
Diese unüberlegte Aeußerung traf.
„Jetzt hab’ ich genug!“ rief der Geistliche mit dunkelrothem Gesicht, „lästern Sie den Satan! Wir sind fertig und der Todte wird hinter der Kirchhofsmauer begraben.“
„Das wird er nicht, mein Herr!“ sagte Aladar und legte seine rechte Hand auf die Brust.
Ruhigen Schrittes verließ er den Pfarrhof. Durch das Küchenfenster grinste ein volles Gesichtchen heraus und ahmte das Meckern einer Ziege nach.
Zur selben Stunde läuteten die Kirchenglocken, sie läuteten alle vier, sie läuteten lange. Es waren Todtenklänge; ein reicher Bauer der Gemeinde war verschieden.
Aladar schritt in den Kirchhof. Der Kirchenvater und sein Sohn, der strohlockige Steff, arbeiteten am Ginsterstrauch und gruben ein Grab. Sie gruben es nicht für den fremden Mann, der oben im fremden Hause verschieden war; sie gruben es für den reichen Bauern.
Aladar blieb entsetzt stehen und starrte auf die Arbeiter hin. Sie gruben in den Grabhügel seiner Mutter ein. Schon wollte er hinstürzen und ihnen den Spaten aus der Hand reißen, da besann er sich: „Ei, sie haben ja Recht, sie sind an der Reihe. Das Weib, das sie vor sechzehn Jahren zur ewigen Ruhe bestattet, hat nur zur Miethe hier gewohnt. Die Zeit ist aus, die Schaufel klopft an....“