Er trat an das Grab heran und blickte hinab. – Moder des Sarges, fahle Lappen, Knochen, Haarlocken – Jüngling, das war ein grauenhafter Anblick, der hat dir das lieblich schöne Bild der Mutter, wie es dir dein Vater in der Erzählung und in dem Bildnisse der Eos als Erbe hinterlassen, ganz und gar zerstört. Das Grab wurde durchwühlt, die Gebeine herausgeworfen auf den Rasen. Aladar erfaßte das Knochenhaupt mit beiden Händen und seine thränenschweren Augen starrten in die tiefen Höhlen.

So hat das Kind seine Mutter zum erstenmal gesehen. – –

Als Aladar zu seinem Hause zurückkam, stand der Todtenbeschauer vor der Thür. Er beschaute kopfschüttelnd den ehrwürdig schönen Greis, der auf dem Söller saß, und er beschaute die vielen Bildnisse in der Werkstatt und er beschaute das Haus.

„Werden Sie hier verbleiben?“ fragte er den Jüngling.

„Ich werde nicht hier verbleiben,“ war die Antwort.

„So werden Sie das Haus und diese Statuen verkaufen?“

Aladar sann, dann entgegnete er: „Das weiß ich nicht.“

Der Dorfarzt stand noch eine Weile da, dann zuckte er die Achseln und ging davon.

Und als Aladar wieder allein war, ging er auf den Söller und setzte sich zu seinem todten Vater. Fast so regungslos wie dieser saß er da und richtete sein Auge in die weite blaue Himmelsglocke hinaus. Es war so still und mild. Das Laub der gegenüberstehenden Eiche wollte schon ein wenig gilben. In der Luft spannen die Fäden des Herbstes. Ein einzigesmal läutete eine Waldbiene vorbei, dann war es wieder still. Gegen Abend hob sich unten aus dem Gebüsche ein hellrothes Flämmchen, es flackerte und schwamm empor gegen den Söller und hin über das Haus.

Ein verspäteter Aurorafalter war es gewesen.