„Hätten auch den alten Kauz da oben in den Kirchhof tragen lassen können,“ sagte der Arzt, gegen das Haus auf der Bergeshöhe weisend. „Der Mann war mehr Narr als Heide. Und auch sein Sohn tritt in die Fußstapfen des Alten. Der hat mir gestern gesagt, daß er fortziehen will. Gut, mag es thun, das ist die Narrheit nicht. Bin heute wieder bei ihm gewesen: ob er sein Haus verkaufe. – Nachbar, wie hoch schätzest Du dieses Haus?“
„Den Heidentempel!“ versetzte der Kirchenvater, „wer kann ihn denn brauchen? Ich achte das ganze Holz, das darin steckt, auf zwei Kohlenmeiler; das sind kaum hundert Gulden.“
„Da habe ich allerdings anders gerechnet,“ entgegnete der Arzt, „mir gefällt der Bau, es ist Geschmack daran und die Holzschnitzereien sind nicht ohne Werth. Ich habe dem Burschen eine Tausendernote dafür geboten.“
„Bader, Du bist ein Narr!“
„So ist dieser Junge ein noch größerer,“ rief der Arzt, – „verzehnfacht die Summe, hat er gesagt, und dann kommt und ich werde Euch dafür das Haus meines Vaters noch nicht verkaufen.“
Der Kirchenvater lachte laut auf, und das hatte sich schier nicht geschickt, denn es nahte schon der Leichenzug.
Die Menschen der ganzen Gegend waren beisammen, es wurde fast der Kirchhof zu klein. Die Windlichter flackerten hell in die Abenddämmerung hinein. Drei Priester im Ornat standen an dem Grabe und schwangen Sprengwedel und Weihrauchgefäße.
„Morgen kommt der Jude dran, oder was er ist,“ flüsterte ein Weib der Nachbarin zu, „hast Du die Grube hinter der Mauer schon gesehen?“
Die Antwort wurde abgeschnitten durch das Rollen des Sarges, der in die Tiefe glitt. Der Sarg war bunt bemalt. Jetzt gossen sie Weihwasser darauf hinab, da die Thränen mangelten. Der Verstorbene hatte weder Weib noch Kind hinterlassen; und fremde Erben weinen nicht. Der Pfarrer nahm die Schaufel, streute Erde hinab und rief in seiner todten Sprache die Worte:
„Ruhe Deiner Asche!“