Der Spruch war einem Anderen nachgerufen.
In demselben Augenblicke ging ein Getöse durch die Menge und Feuerrufe wurden laut. An der Wand des Kirchthurmes und auf den Dächern der Häuser lag ein mattzitternder Schein. Das Haus auf der Bergeshöhe stand in Flammen.
Die Leute drängten aus dem Gottesacker; an der finsteren Grube gab es nun für sie nichts mehr zu thun und zu schauen. Einsam steht der Sarg im tiefen Grabe, der Verwesung harrend, die nun naht mit ihrem jahrelangen Grauen.
Durch die hell erleuchteten Dorfgassen wogten die Menschen; einige eilten den Berg hinan.
Das Haus auf der Höhe war zu einer herrlichen Flammensäule geworden; senkrecht stieg sie in den Abendhimmel auf und die anstrebenden Funken schienen sich mit den Sternen des Himmels zu vereinen.
Aladar stand unter der Eiche und sah dem brennenden Hause zu. Seine Seele loderte vor Begeisterung mit den Flammen um die Wette.
Ein halb Stündlein früher war es gewesen, da hatte Aladar den brennenden Span in eine Spalte der Heliosstatue gesteckt. Er hatte gesehen, wie die glühende Zunge aufflackerte zu dem Bilde des Lichtgottes, wie die hellen Flüglein emporflatterten zu den übrigen Kunstgestalten und an der Wand hin, mit Begier wachsend und sprühend. Bald war die Werkstatt zu einem Flammentempel geworden und nur einzelne Häupter der hellenischen Mythe ragten aus dem wogenden Feuerbrodem. Gar bald brachen die Flammen zu den Fenstern heraus und flutheten die sonnengebrannte Holzwand hinan und züngelten gegen die Erker des Söllers. Das Feuer krachte, brüllte, durchbrandete das Haus nach allen Ecken hin, und von allen Seiten kam es nun mit wilder Gewalt gegen den Söller gebrochen, wo der alte todte Mann saß, wo vor dem Bildnisse der Eos ein Häufchen Friedhofsknochen lag. Aladar blickte durch Rauch und Flammen noch hin auf des Vaters Angesicht. Mit einer blühenden Röthe hatte dieses des Feuers Widerschein übergossen. Da sprühten von dem Haupte des Todten plötzlich Strahlen aus – wie Regenbogenstrahlen – und es loderten die Locken, ein Gluthmantel schleuderte sich über den Leichnam, über den Söller, über das ganze Haus.
Wie versteinert, aber mit leuchtenden Augen stand der Jüngling unter der Eiche und sah den Opfertisch seines Erbes in unbeschreiblicher Herrlichkeit verlodern.
Leute aus dem Dorfe waren herangeschlichen, aber als sie den Leichnam verbrennen, als sie im rothen Scheine die Bildsäule unter dem Baume sahen, da zogen sie sich mit Entsetzen zurück.
Als der Mond aufging, war das Haus auf der Höhe bereits in sich zusammengebrochen. Aus den einstürzenden Bränden sprühten noch die Funkenschwärme, entfachte sich noch ein letztes Aufleuchten, und als der Morgen dämmerte und dort auf den Wipfeln des Tanns die Vögel zwitscherten, war Alles und auch der letzte Strunk zu Asche verzehrt.