So schlich der Remini nun durch die Stube, auf den Bauer zu, legte diesem eine Hand auf die Achsel und sagte gedämpft, aber hastig: „Hochweider! Hochweider! ’s ist schauderlich – ’s ist gar zum Närrischwerden!“
„Was denn?“
„Ach, ’s ist schauderlich! – Meine Mutter, wenn sie das gewußt, richtig, sie hätt’ mich mitgeschickt in die neue Welt hinüber. Und jetzt – Hochweider! – ist mir da in der alten herüben das passirt, Das, und mir! mir, dem guten, armen Remini, der ohnehin nicht weiß, wovon er leben soll in seinen alten Tagen –“
„Ei, geh mir!“ unterbrach ihn der Bauer, „Du bist das alte Klageweib, heut, wie immer, Du hast zu leben genug.“
Der geknickte Zaunpfahl schwieg einen Augenblick. Dann kramte er mit zitternder Hast in seiner Brusttasche. – „Hochweider,“ hub er wieder an und wickelte einen neuen Zehnguldenschein hervor, „Hochweider, hast schon einen falschen Zehner gesehen? – Nicht? – nu, da kann ich aufwarten; – ist nett gemacht, nicht wahr? – nett, fein –“; dann brach er los: „Fünf schwere Thaler hab ich ihm dafür gegeben, dem Lumpen, dem Schurken! – Und ich verliere mein gutes Geld, der Wisch ist falsch! Schau einmal, Hochweider, was das für ein Wasserdruck ist; mit Sauschmer ist er gemacht. – Aber heut’ haben sie den Fuchs aus dem Loch gezogen; weiß der Himmel, wie lange er’s schon getrieben!“
„Ja, wer denn? wer denn?“ rief der Bauer, „das ist ja ein ganz verrücktes Schwätzen!“
„Den Herrn Forstadjuncten Kilian Ehrlich haben heut’ die Schandarm’ abgeholt. Hochweider, einen Falschmünzer haben wir mitten unter uns gehabt. Aber ich sag’s, wenn er gehenkt wird, da laß ich mir was kosten, da muß ich dabei sein. Na ja, jetzt weiß man, wo die vielen nagelneuen Banknoten herkommen. Schau nach, Hochweider, ’leicht hast Du auch ein paar in Deinem Sack.“
Der Bauer fuhr gegen seine rothe Brieftasche, ließ sie aber im Rock stecken und murmelte: „Ich nicht. Der Bauer von der hohen Weid kennt sein Geld.“
Gut so, der Mann von der hohen Weid giebt sich nie eine Blöße, am wenigsten noch vor einem Menschen, wie dieser Remini Dreihand. Der Geizhals soll nicht die Freude haben, den Großmann des Berges auf der Stelle um ein paar Dutzend Gulden ärmer werden zu sehen.
Erst als der Geknickte mit weinerlichem Gesichte seine falsche Banknote mit derselben Sorgfalt wieder eingesteckt hatte, als wäre sie eine echte gewesen, und als er hierauf klagend wieder davongeschlottert war, ging der Bauer in die Stubenecke, in welcher neben dem letzten Fenster der braune Uhrkasten stand, und sichtete seine Banknoten. „Sakra, sakra!“ rief er plötzlich, „eine ganze Kuh ist hin! Fünf falsche Zehner!“