In zwei Minuten darauf war er wieder der Alte, schritt langsam gegen den Tisch und rief: „Nun, Herr Landstreicher, schmeckt’s nicht?“
Der Melchior hatte Messer und Gabel längst aus der Hand gelegt. Schon der falsche Zehner des Remini Dreihand hatte ihm den Appetit verdorben. Seitdem war er bewegungslos und blaß dagesessen.
„Gott vergelt es, ich bin satt,“ sagte er und stand auf, „aber ich wollt fragen, Bauer, könnt Ihr mich in Euren Dienst nehmen?“
Der Hochweidhofer maß den Burschen vom Kopf bis zum Fuß, und zwar mit einer hochfahrenden Kälte, als wäre er ein alter Recrutenrevisor. – Gefällt mir übrigens von Dir! – tauglich! wollte er schon sagen, anstatt dessen entgegnete er langsam und trocken: „Der Bauer auf der hohen Weid nimmt Keinen in seinen Dienst, den er nicht so gut kennt, wie seinen Thürstock da, Keinen!“
„Mein Tauf- und Heimatschein liegt beim Müller im Untergäu,“ sagte der Andere, „ich bin die Zeit her beim Müller gewesen.“
„Wird beim Müller im Untergäu das Dienstjahr zu Jakobi aus?“ fragte der Bauer scharf.
„Beim Müller nicht, aber bei mir,“ antwortete der Bursche, „der Müller hat mich an der Ehre beleidigt, da bin ich ihm davongegangen. Ich bin ein ehrlicher Mensch, und wenn Ihr mich aufnehmt, Bauer, so mögt Ihr mir die schwersten Arbeiten schaffen, mögt mich scharf behandeln wie Ihr wollt, aber das merkt Euch, ich bin ein ehrlicher Mensch!“
Mit gehobener Stimme, fast drohend waren diese Worte gesprochen worden; der Sprecher hatte dabei die Fäuste geballt.
„Hm, hm,“ meinte der Bauer kleinlaut, „das laß ich ja wohl gelten. Mußt ihn nicht gleich so aufnehmen, meinen Landstreicher.“