„Der bin ich auch, und bin es so lang’, bis ich Arbeit gefunden hab’. Zum Müller bringen mich vier Rösser nicht mehr zurück.“

Der Hochweidhofer ging langsam in der Stube auf und ab und hielt die Hände am Rücken. Er trat fest auf, daß die Dielen knarrten. Dieser fremde Junge wollte Recht behalten vor ihm, dem Mann von der hohen Weid! Konnte er so Einen in seinem Hause dulden? Aber der Mensch schien einen Kern in sich zu haben; und lauter Hundsfötter im Gesinde, das thut auch kein gut.

„Weißt Du was, Melchior,“ sagte der Bauer und blieb vor dem Burschen stehen, „wir machen dieweilen noch nichts aus. Bleib’ Du ein paar Tage auf der hohen Weid. Gefall’ ich Dir und gefällst Du mir, dann spannen wir auf weiteres an. – Ist Dir das recht, so paß jetzt auf. Du und der neue Stier, Ihr seid zwei Bekannte, Du sollst den Schwarzen heut’ noch auf die Hinteralm führen. Der kleine Bub wird Dir treiben. Bei dem Sennermägdle auf der Hinteralm wirst Du über Nacht bleiben. Morgen wirst Du den Stier an die Heerde lassen und so lang dabei bleiben, bis Du siehst, er ist angewohnt. Nachher kommst wieder heim.“

Kommst wieder heim! Das Wort hat dem Melchior wohlgethan.


Das Andenken in der Zipfelmütze und das Sennermägdle.

Der Schwarze hatte dieweilen auch sein Willkommbrot genossen. Als hierauf die kleine Karawane gerüstet war, schoß noch die flinke Butter-Toni herbei und steckte dem Melchior kichernd ein weißes Päckchen in die Hand. Seine Zipfelmütze war’s, die er bereits vermißt hatte; sie war vorhin im Kampfe mit dem Rind in den Wust gefallen und mußte gewaschen werden. Als sie der Bursche nun über den Kopf ziehen wollte, fand er ganz hinten im Zipfel ein schwammiges Dingelchen. Was kann denn da drin stecken? Ein niedliches Lebkuchenherz und ein papiernes Bildchen darauf, und auf dem Bildchen ein goldenes Körblein, und im Körblein ein Nest von rothen Rosen und in den rothen Rosen ein Liebespärchen, das sich die Hand reicht, und darüber die Worte gedruckt:

„Zu einem treuen Angedenken

Will ich Dir mein Herzlein schenken.“

Da wollte sich des Burschen Gesicht schier zu einem Lächeln ziehen; er blickte um sich, sah kein Mägdlein, hörte aber Kichern im Gestalle.