„Wer ist denn nachher das, was dort Butter rührt?“

„Das ist das Sennermägdle.“

Der Bursche schwieg, that aber einen so heftigen Ruck an dem Strick, daß ihn der Schwarze fragend anglotzte, was er doch schon wieder mißgangen haben könne?

„Mägdle, der neue Stier ist da!“ rief der Nickerl. Da kam denn die Gestalt mit den kurzgeschorenen Haaren und dem Tabakspfeifchen sofort herangetrippelt, und ihr Anzug, ein grauer, schwarzgestreifter Wiflingkittel mit der gleichfarbigen Schürze und dem einmal blau gewesenen Busentuch ließ keinen Zweifel mehr übrig: es war ein Weib, es war das Sennermägdle.

Der Stier wurde in eine bereitete Klause gethan und mit Bocksbart und Süßklee gefüttert. Der Nickerl war wieder davongehüpft, und man hörte ihn über die Almen hinaus lange noch lärmen; der Kleine suchte die Gespenster, vor welchen er sich in der Nacht fürchtete, durch helles Geschrei zu vertreiben.

Der Melchior saß völlig schwermüthig vor dem dürftigen Herd, auf welchem ihm das „Mägdle“ das Abendbrot kochte. Als sie die „Mehlspatzen“, die sehr fett waren, verzehrt hatten, ging die Alte den Burschen an um ein Pfeifchen Tabak.

„Weibel,“ entgegnete Melchior treuherzig, „ich hab’ meiner Tag nicht geraucht.“ Er redete weiters nicht viel, aber Eines ging ihm nicht aus dem Sinn; das Ding war auch ganz unerklärlich, es war gar nicht zu lachen darüber, es war geradezu ein Unding, ein neues Unding in seiner Welt. Das kleine Köpflein sah ja schier kahl und gerupft aus. Er war sonst nicht neugierig, aber nun that er doch den Mund auf: „Ist es des Herdfeuers wegen, daß Ihr Euch die Haare habt schneiden lassen?“

„Was brauch ich denn die Fetzen!“ fuhr sie ihn an; bald aber setzte sie, wie selbstgefällig, grinsend bei: „Ich verkaufe mein Haar!“

„Verkaufen!“

Der Melchior war von seinem umgestülpten Milchzuber aufgesprungen. „Geld und wieder Geld!“ rief er, und im Munde kaute er die Worte herum: „Herr je, was muß die nicht schon Alles verkauft haben, wenn die paar armseligen Haarweben nicht mehr sicher sind auf ihrem Schädel!“