„Wie sagst?“ fragte die Alte.

„Ist schon recht,“ sagte der Bursche.

„Mein Gott, wo nähm’ unsereins sonst das Tabakgeld?“

„Ist schon wieder recht!“ rief der Melchior, „Sennin, ich möcht schlafen gehen!“

Auf dem Dachgeschoß der Klause, in welcher der Stier seine Nachtruhe hielt, lag frisches Heu; da hinein warf sich der Bursche aus dem Untergäu und streckte die Glieder weit von sich.

Geld! im Untergäu das Gift, im Obergäu das Gift – überall! – Mich bringst du nicht um, ich bin ehrlich, so steht’s in meinem Taufschein – und ich will’s verbleiben. Du kleines Ledertäschlein da, von meinem Pathen hab’ ich dich, für Geld wärest du gemacht. Nicht einen Pfennig kriegst mir hinein. Wart einmal, sollst nicht leer bleiben – sollst es gut haben – so!

Das Lebzeltenherz steckte er in den Geldbeutel. Dann barg er diesen tief in seinen Hosensack, dehnte sich noch einmal im weichen Heu und schlief ein.

Das Gegröhle der Schweine war es am andern Morgen, das unsern Melchior zu dem herrlichsten Alpensommertag erweckte. Der Bursche hatte nur einige Rispenhälmchen aus seinen Hosen und Haupthaaren wegzuzupfen, dann war er angekleidet und herausgeputzt. Kaltes Brunnenwasser goß er sich noch in das Gesicht und eine warme Molkensuppe in den Magen, dann war er bereit.

Er ging mit der Heerde auf die Weide. Es waren lustige Kühe und flinke Kalben da, und der Schwarze war Lebemann. Melchior sah es gleich, daß sich der Untergäuer hier nicht langweilen werde; er hätte denn sofort in das Gehöfte zurückkehren können. Allein auf der sonnigen Matte war es so wohlig zu liegen, die Augen zu schließen und dem Glockengeschelle zuzuhören. Er that’s und dachte dabei an das Lebkuchenherz, das er in seiner Geldtasche trug, dachte an die kleine Magd, die ihm das Ding zugesteckt hatte. Sie hatte ein kurzes rothes Kittelchen an und gelbe Haare auf dem Kopfe, das war Alles, was er von ihr wußte. Und es war genug, häufig genug. Er riß die Augen auf und sah in die Heerde hinein.