Das dünne, weiche Leinenkleid that nichts dagegen, daß man seinen drallen, echt älplermäßigen Gliederbau durchaus kennen lernen konnte; zudem stand zu vermuthen, daß der Melchior gar kein Hemd anhatte. Die Hände hielt er stets in den Hosentaschen; in der rechten hielt er das Beutelchen mit dem Lebkuchenherz, in der linken den Vogel. So schlenderte er fürbaß und der weißrothe Haubenzipfel schlug am Nacken bei jedem Schritte wie ein Pendel hin und her.
Je näher der Bursche aber gegen den Hochweidhof kam, desto mehr verging ihm die Lustigkeit. Unter den Menschen war er wieder der arme Schelm. Und vielleicht hat es der Bauer schon erfahren, weß Stammes und Namens er, der Melchior, ist und wird ihn gleich aus dem Hause weisen. Die Menschen gehen alle nach dem Schein, alle! Der Bauer von der hohen Weid, sagt man zwar, der gehe schnurgerade der Nase nach und dem Kern zuleibe. Dann freilich wär’s gewonnen. – Heute oder morgen muß der Melchior doch den Mund aufmachen, will er auf der hohen Weid verbleiben. Heute ist’s besser als morgen.
„Nu, Melchi, wie steht’s auf der Alm?“ fragte der Bauer sogleich, als der Bursche vor sein Auge trat.
„Könnt’ gar nicht besser stehen,“ antwortete der Melchior.
„Was schafft das Sennermägdle?“
„Nicht einmal scheu ist er worden,“ sagte der Bursche.
„Wer?“
„Der Stier.“
„Vor wem?“