„Vor der alten Vettel.“
Jetzt that der Bauer einen ganz gewaltigen Lacher. „Bist ein rechter Sakra, Du!“ rief er, dem Burschen die flache Hand auf die Achsel werfend, „ein Höllsakra übereinand! Und nun schau, daß Dir die Bäuerin Dein Mittagsmahl giebt, die Leut’ haben schon abgegessen. – Hast denn noch was auszurichten?“
„Bauer,“ sagte nun der Untergäuer stockend, „meine Mutter hat fort gesagt, wenn das Herz voll ist, so hat im Magen nichts Platz. Mir gefällt’s schon auf der hohen Weid und ich möcht was reden mit Euch, aber ganz allein.“
„Mit mir was reden willst? Lug einmal, Junggesell, seit wir Zwei uns kennen, giebst Du mir ja einen Befehl um den andern! Willst Du was reden, so hast mich fein zu fragen, ob ich was hören will. Nu, für ein andermal. Kannst jetzt mit mir gehen.“
Er führte den Burschen über eine Stiege in eine rückseitige Kammer empor. Hier hingen, lehnten und lagen allerlei Werkzeuge, Messer, Hacken, Sägen, Feilen, Bohrer und andere Dinge, deren Zweck gar nicht zu errathen war. Des Bauers Werkstatt, in der er die Halsjöcher seiner Ochsen zimmerte, die Melkzuber und Milchbutten band, die Haarstriegel schärfte, die Messer schliff, mit denen den Rindern die Hörner und die Klauen beschnitten wurden, und allerlei andere Dinge schuf und verrichtete, die in der Wirthschaft nöthig waren.
Der Bauer setzte sich nun sofort auf die Hanselbank, zwängte einen Balken unter den hölzernen Haltkopf, begann mit einem Reifmesser daran zu schneiden und sagte: „Melchi, jetzt kannst was reden mit mir.“
Der Bursche setzte sich auf einen Ahornblock, schlug mit den Händen auf die Oberschenkel, daß es klatschte, zuckte die Achseln und stieß das Wortlein: „Ja!“ heraus. Dann schwieg er und trampelte mit den Schuhen.
Der Hochweider schnitt gelassen an seinem Balken.
„Bauer,“ sagte nun der Melchior kleinlaut, „möcht Euch sagen, wie’s mit mir steht. ’s ist eine schwere Sach’, weiß nicht, wo ich anfangen soll. Mein Vater, der ist im Gefängniß gestorben, weil er sich unredlich Gut zugelegt hat; meinen Bruder haben die Gendarmen weggeführt, weil er Banknoten gefälscht; mich hat der Müller im Untergäu verjagt, weil ich kein Schurke hab sein wollen; seht, das ist meine ganze Geschichte.“
Der Bauer hatte beim „Schurken“ sein Messer still gehalten. Nun schnitt er wieder; als er aber sah, der Bursche wollte nicht mehr weiter reden, blickte er mit scharfem Auge auf: „Der paar Worte wegen hast mich über die Stiegen herauf gehetzt?“