Der geknickte Zaunpfahl war nicht weit davon gestanden; und als das Mägdle hierauf in die Graskammer ging, und in das Milchgelaß, und endlich auf den Rübenacker hinaus, wo es in seiner Arbeitsamkeit überall Geschäfte fand, schlich ihr der Alte nach und sein dreieckiges Gesicht grinste süßlich d’rein.
Später stieg das Mägdle in die Krautgrube hinab, wie solche bei den meisten Alpenwirthschaften jener Gegend zur Aufbewahrung des Kohlkrautes als ein mehrere Klafter tiefer Schacht sich vorfindet. Die Alte war tief unten und trat mit ihren breiten Füßen die früher durch heißes Wasser eingeweichten Krautköpfe fest. Auch zu dieser Grube, die ein wenig abseits vom Hofe an einem Hagebuttenstrauche war, kam der alte Schleicher nach. Eine Weile lugte er, am Rande des Schachtes stehend, nach allen Richtungen um sich, dann zog er seine Pelzhaube an, duckte in die Tiefe hinab und sagte: „Sennermägdle!“ Seine Stimme war so schmiegsam und weich, als wäre sie über und über mit Fuchsschmalz geschmiert worden. „Sennermägdle,“ sagt er, „Du bist so viel fleißig und Dir schlaunts besser, wie drei anderen Weibsleuten im Hochweidhof zusammen. Bist erst von der Alm gekommen und machst Dir da schon wieder zu schaffen. Du, Sennermägdle!“
„Jetzt hab’ ich keine Zeit zum Schwätzen!“ rief die Alte von der Grube herauf und trat wacker auf die Köpfe los.
„Freilich nicht,“ entgegnete der Remini, „aber Deine guten Butterkrapfen vorhin, die haben mir frei so viel taugt. Gern, daß ich Dir auch einmal einen Gefallen thun möcht.“
„Ist schon recht,“ sagte das Mägdle.
„Ich hätt’ wohl noch ein Anliegen, Sennermägdle,“ schnürfelte der Alte, „ist aber nit schicksam, thät’s auch nit, hätt’ ich die Sach’ nit gar so nöthig.“
Die Magd stand still und blickte auf: „Wirst doch nit Noth leiden müssen, Remini!“
„Das dieweilen just nit, Gott sei Lob und Dank! gleichwohl man’s nit wissen kann, wie’s Einem in seinen alten Tagen noch gehen wird. Aber – nu, siehst Du, Mägdle, wohlthätig sein will Einer doch auch ein wenig, wie man halt kann und mag. Und da hab’ ich im Untergäu ein Pathenkind, ein armes Waiserl, und dem möcht’ ich recht gern ein klein Ding schenken, so zum Andenken was, daß Unsereiner auch nit ganz vergessen ist, wenn so ein Mensch einmal in die Welt wachst. Ich hab’ gesehen, Sennermägdle, Dir hat heut’ Dein Bauer für Deine Bravheit drei Thaler zugesteckt; wenn Du nichts dagegen hättest, die möcht’ ich Dir zu gern auswechseln. Thät’ Dir frei einen Zehnerbanknoten geben.“
„Du meine Zeit!“ rief die Magd in der Grube und hüpfte beständig auf den platten Kohlköpfen umher, „meine drei Schimmel werden wohl so viel nicht werth sein; und herausgeben kann ich nicht.“