„Fünf Gulden mögen sie just decken,“ fiel der Alte rasch ein, „und die andern fünf will ich Dir gern bis auf Deinen Jahreslohn zu Weihnachten borgen. Mägdle, wir machen’s gleich ab.“

Noch einmal blickte der Remini mißtrauisch um sich. Dort auf dem Zaun sitzt eine Krähe! Na, kindisch, ’s ist doch nur eine Krähe. So kann er die Banknote schon hervorholen. Das Sennermägdle beginnt auch die Thaler aus der Joppe zu nesteln; ei, thut’s ja gern, wenn dem Alten damit gedient ist; bleibt eh kein Geld, ob’s von Silber ist, oder von Papier – bleibt kein Geld bei einer Almerin.

„Vetter!“ rief in demselben Augenblick der Hagebuttenstrauch. Der Alte wäre vor Schreck schier in die Krautgrube gefallen.

Der Melchior kroch hervor: „Nicht als ob ich zu horchen gekommen wär’,“ sagte er, „ich hab’ dahinten dem kleinen Fritz ein paar Kranabetherschlingen aufgerichtet. – Seid so gut, Remini!“ Er langte mit kecker Hand nach der Banknote und sah sie an. „Schau, noch ein falscher im Land! – Remini, das ist derselbe, den Ihr vorig Sommer vom Forstadjuncten bekommen. Was habt Ihr denn das Papier gar so abgeknittert? ’s ist doch ein neuer. Geht, Remini, zerreißt den Fetzen; Ihr habt Euch ja schon entschädigt durch den Doppelstutzen.“

Der Bursche war so boshaft, zu diesen seinen Worten ein lächelndes Gesicht zu machen. Im Dreieck des Alten aber zuckte jede Muskel, und er zog seine scharfe Unterlippe weit hinter den schartigen Oberkiefer zurück.

„Anschmieren hat er mich wollen?“ zeterte die Alte im Loch, „Du Spitzbub, Du schlechter! – Dank Dir Gott, Melchi! – Wart, Du vertrackter Galgenstrick, Du! Dir will ich noch einmal Butterkrapfen schenken! – Ein falsches Geld für meine guten Thaler! – Dank Dir Gott, Melchi! – Dein Glück, Du alter Schleicher, daß ich nicht oben bin, Dir wollten ein paar Tüchtige nicht schaden auf Dein Ohrfeigengesicht! – Hell betrogen hätt’ er mich, der Kerl da! Na, schaut’s aber da her, schaut’s den Lumpen an! – Vergelt’ Dir’s tausendmal Gott, Melchi!“

So zeterte das zornige und das dankbare Sennermägdle.

Der Alte trollte sich sachte davon und murmelte: „Nichts als Malheur! ’s ist des Teufels! Ach, hätt’ mich meine Mutter lieber in die neue Welt geschickt!“ Dann schoß er nur noch ein paar giftige Blicke auf Melchior zurück.

Jetzt erst kam diesem die Wuth. Die Banknote riß er mitten auseinander, dann ging er, ohne noch ein Wörtchen mit dem Sennermägdle zu wechseln, in den Hof zurück.

Der alte Dreihand schlich, doppelt geknickt, die Lehne hinab gegen seine Klause, die in einer Schlucht stak und in welcher wilde Früchte für den Winter, als dürre Beeren, Holzäpfel, Holzbirnen, Pilze u. s. w., in großen Haufen geschichtet lagen. Die Hütte war ganz erbärmlich und gar nichts Nennenswerthes darin, als etwa der Doppelstutzen, der hinter dem Bettstroh ruhte und in welchem immer noch die Ladung stak, mit der sie der Alte zur Hand bekommen hatte. Der Remini hätte manches Reh, das in der Schlucht lief, von Herzen gern damit niedergeschossen, aber er kam nicht dazu. „Am Ende,“ meinte er, „treff’ ich das tolle Thier nicht und dann ist auch das Pulver hin.“