Ach, der Wald, wie er immer höhnend nachsprach und wie er so schwarz und finster dalag, als berge er Unglück in sich.
Mirtl eilte weiter, er lief gegen die Schlucht und rief in Einem fort die zwei Namen. Vergebens. Es wurde finster. Der Holzknecht betete: „Jesus Maria!“ in seinen Gedanken, und dann wurde ihm leichter und er dachte, es werde doch nicht sein. Aus der Schlucht hörte er das Rauschen des Bächleins, das dort einen Wasserfall bildete.
Und mit dem Wasserrauschen schlug plötzlich der Laut einer Kinderstimme an sein Ohr. Dann horchte er und pfiff und schrie und hörte nichts als Wind- und Wasserrauschen. Mirtl eilte in die Schlucht, und auf einmal – o, welch’ freudiges Aufwallen! – ganz nahe hörte er die wohlbekannten, fröhlichen Kinderstimmen. Sie saßen am Bach, waren beschäftigt, aus den Steinchen und Holzstückchen ein Häuslein zu bauen und eine Mühle, wie sie der Anbauer weit draußen im Dorfe hatte, bei dem sie schon einmal waren mit dem Vater, als er Korn hinaus- und Mehl hereintrug. Jetzt wollte der Knabe auch noch das Wasser in die Mühle leiten, er war ja Müller und das Schwesterchen, das war der Vater, der das Korn brachte – „He da!“ rief er, da stand er vor ihnen. „Wart’ ich werd’ Euch helfen, wenn Ihr nit heimgehen wollt; marsch, gleich auf der Stell’; wißt Ihr nit, wann es Zeit ist und wo Ihr hin g’hört – ich möcht’ gleich die Ruthen nehmen!“
So zürnte der Vater und die Kinder rafften sich erschrocken auf. Sie hatten früher seine Stimme ja nicht gehört, weil das Wasser rauschte, und jetzt sahen sie es erst, daß es bereits dunkel war. Sie hatten ihn böse gemacht, wußten sich keinen Rath und schluchzten. Aber der Mann hob jetzt die Kleinen an seine Brust, und ohne ein Wort mehr zu sprechen, hielt er sie fest – fest. – Sie waren ja sein Alles – sie waren sein Alles auf Erden!
So trug er sie nach Hause, und daheim am Herdfeuer wurden die nassen Kleider der Kleinen und das Auge des Mannes bald wieder trocken.
Der Wind rüttelte am Fenster, und bei der Abendsuppe, die den Kleinen heute doppelt schmeckte, weil ja auch der Vater wieder gut war, meinte nun Mirtl, es würde schlecht Wetter machen, dann werde es diese Woche zum Holzen.
„Das ist mir schon allemal zuwider, wenn es zum Holzen ist!“ sagte das Weib halb wehmüthig, halb unmuthig, „man muß sich die ganze Woche grämen; ’s vergeht halt doch kein Jahr, daß nit ein Unglück geschieht.“
„Geh, geh, Waberl (Barbara), denk auf den Oberen!“
„Vergiß das Zellerkreuzl (ein Kreuzchen aus Maria-Zell) nit, Mirtl!“ mahnte die Großmutter, während sie die Kinder auszog und dieselben dann in’s gemeinsame Bettchen an der Ofenbank brachte.