„Und sonst fehlt nichts daheim?“ fragte der Holzknecht, indem er die braune Schwarzwälderuhr aufzog; – „daß ich nichts vergeß, morgen muß ich zeitlich auf – ein Salz ist noch?“

„Na, das werd’ ich schon machen, Mirtl; schau, daß Dir nichts abgeht. Nimm den Lodenrock und ein wenig Branntwein mit. Da steck’ ich Dir einen englischen Balsam und eine Kräutersalben ein, daß Du zum Fall doch was nehmen kannst. Den Tabak hast?“

„Bei Leib, den vergiß ich nit. Wenn ich nur einen Tabak hab’, um’s Andere frag’ ich nit viel. Eines muß ich Dir noch sagen, Waberl: gieb auf die Kinder acht – schau, ich bin heut so sterbens erschrocken, wie ich sie nit gleich gefunden hab’, ’s kann bald was sein! Und noch was, diese Wochen ist Niklo, draußen im Kasten unter’m Korn hab’ ich Aepfel und ein paar Lebzelten, die steckst den Kindern in die Schuh, und der Mutter hab’ ich ein Kopftuch gekauft, das legst ihr auf’s Fenster neben ihrem Bett. – Und Du, Waberl, kriegst zum Niklo erst Samstag was, wenn ich heimkomm’,“ setzte der Mann schelmisch hinzu und strich seinen Schnurrbart.

Bald darauf war der Kienspan im Holzknechthäusel verloschen. –

Julerl wurde zuerst wach. Sie sah, wie es so licht war in der Stub’ und draußen, und Alles so weiß. Sie wußte es gleich, sie sah es ja, wie sie noch immer herabfielen die weißen Vögelchen. Sie hüpfte vor Freude im Bettchen und zwickte den Hansl, daß er auch erwache, und flüsterte ihm in’s Ohr: „A Schneewerl hat’s g’schneibt, a Schneewerl hat’s g’schneibt!“

Und als die Kinder angezogen waren – Julerl durfte heute das neue Lodenjöppel, das sie von der Pathin im Dorf erhalten hatte, tragen – warteten sie gar die Suppe nicht ab, so eilten sie in den schneienden frostigen Tag hinaus. Der Knabe wollte des Vaters Griesbeil nehmen, weil es spitzig war, und mit demselben allerhand Dinge auf den feinen Schneegrund zeichnen; aber das war schon in aller Früh mit dem Vater fort, weit hinaus in den großen Raitschlag, wo heuer der Baron Wald schlagen ließ und dreißig Holzknechte beschäftigte. Das war ein wahres Vergnügen für die Kleinen, wie sich ihre Fußtrittchen und Finger so rein und nett in den weichen Schnee eindrückten und wie sich aus demselben allerlei Männlein formen ließen, die sie auf die Bank stellten, wo sonst der Vater so gerne saß. Viel Spaß machten die großen Flocken, die langsam um die dunklen Tannen tanzten, und von denen Julerl kaum erwarten konnte, bis sie herabkamen. Dann langte sie mit den Händen nach denselben oder hielt wohl gar das Gesicht so, daß die kalten, wunderlichen Blättchen auf ihre rothen, warmen Wangen fallen konnten, bis Großmutter sagte, daß das gar nicht gesund wäre. „Mußt die Flankerln in Ehren halten, Kind,“ sagte sie dann, „das sind Brieflein, die der liebe Herrgott im Himmel oben schreibt und zu den Menschen herabfallen läßt, daß sie auf ihn nit vergessen!“

Das fand nun das Mädchen so merkwürdig und lieb, daß sie es gleich dem Hansl sagen ging, worauf dieser nach einer recht großen Flocke haschte, um einmal ordentlich zu untersuchen, was denn darauf stünde; aber sie zerging ihm in der Hand, und er hatte nur einen hellen Wassertropfen.

Als die Mutter auf den Mittag Feuer anmachte und über das Dach des Häuschens blauer Rauch stieg, dachte sich Julerl, daß das eigentlich nicht sein sollte, weil ja die Himmelsbrieflein schwarz würden.

Das Schneien hielt an und die Kinder waren schon ganz naß, als sie die Großmutter zu Mittag in die Hütte brachte. Sie selbst fühlte Frost und bat die Waberl, ihr die Suppe heute an ihr Ofenbänklein zu bringen.