Waberl blickte trüb in den schneienden Nachmittag hinaus. Sie ließ ihr Flechtwerk ruhen, sie flocht und wob ihre Gedanken in den Winter, in die traurige Zeit, die heuer so lang’ ausgeblieben und doch gekommen war.
„An was denkt Ihr denn, Mutter? denkt Ihr, daß der Winter viel schöner ist, wie der Sommer?“ Das sinnende Weib gab dem Knaben, der so fragte, keine Antwort. Es ging nun, der Großmutter ein Strohpolster unter das Haupt zu legen, weil diese bei ihrer Ofenbank eingeschlafen war.
Nun mußten die Kinder mäuschenstill sein, und sie schlichen auf den Zehenspitzen in das Vorhaus, wo sie wieder laut plaudern und scherzen durften.
Am nächsten Tag blieb die Großmutter im Bett, weil sie in Folge einer kleinen Verkühlung ein wenig unwohl war. Sie war aber recht heiter und unterhielt die Kleinen, die heute doch nicht mehr ausgehen konnten, denn der Schnee war schon so tief geworden.
Die langen Aeste der Tannen hingen schwer nieder und die Zaunstecken des Gärtchens hatten hohe Hauben auf. Nur zur Noth ließ sich der Schnee noch ausfassen, wenn Waberl vom Bächlein Wasser holen wollte. Das Bächlein war auch schon so verschneit, daß man es gar nicht sah und hörte, sondern es wie durch einen Kanal still dahin sickerte. Sonst war das Wetter nicht kalt, und es ging auch kein Wind, nur war der Himmel fortwährend grau und schwer.
„Aber die Knecht’ werden ja völlig nit arbeiten können,“ meinte Waberl zur Großmutter, indem sie mit einem Besen den Schnee von den Schuhen kehrte. „Dann kommt der Mirtl noch vor dem Samstag heim,“ entgegnete diese, „das Holzen geht doch nit.“
Großmutter blieb im Bett, es wäre ihr nur ein bischen kühl und schwach, und versäumen thäte sie ja nichts. –
So verging der erste Theil der Woche, und als es Donnerstag Morgens wurde, war eine große Freude in der Hütte.
Die Kinder konnten in die Schuhe nicht hinein.