Waberl schluchzte, die Kranke blickte ihr starr in’s Gesicht, dann lispelte sie: „Trinken!“

Die Tochter reichte ihr das Preißelbeerwasser, das kühlend und stärkend wirkt, und die Greisin nahm ein paar gierige Züge. „Jetzt ist mir besser, viel besser,“ hauchte sie, auf das Polster zurücksinkend – „geh, leg’ Dich nieder, Waberl, bist auch müd; ich werd’s schon sagen, wenn ich was will.“

Bald darauf schlief sie ruhig ein.

Waberl horchte dem Athem, er war viel ruhiger und geregelter. ’s wird doch wohl, dachte sich das besorgte Weib, mich deucht’, ’s wird ein wenig besser, – nein, da wär ich aber froh! ’s wird doch wohl; und morgen kommt ja der Mirtl. – Sie besprengte nun die Schlafenden mit Weihwasser und machte ein Kreuz über alle Drei. Bald darauf war der Kienspan im Holzknechthäusel verloschen.

Wie sie nun ruhten die vier Menschenherzen und träumten freudig und bang – und die Wanduhr tickte und der Mond strahlte still durch die Fensterlein; da zog ein Engel durch die Stube, drückte einen Kuß auf die Lippen der schlummernden Greisin und verhüllte das Antlitz. –

Ein leiser Windstoß, der am Fenster klirrte, weckte Waberl auf. Sie machte Licht, um nach der Kranken zu sehen. Diese schlummerte.

In der Stube war’s kühl geworden und Waberl wollte der Großmutter ihre Decke bringen. Die Großmutter hatte jetzt einen leichten Schlaf, keine Beschwerde im Athemholen.

So süß hatte sie schon lange nicht geruht, nie in ihrem Leben. Sie war eingegangen zur großen Ruhe.

Der Kienspan flackerte roth und düster, als wollte er ein bleich gewordenes Antlitz wieder färben....

Julerl lächelte im Traum und schmiegte sich an den Hals des Brüderleins. Und Waberl war hingesunken auf den Lehnstuhl und verbarg ihr Gesicht. Ihre Lippen zuckten, sie hatten keinen Laut, ihr Auge hatte keine Thräne – Alles, Alles im Herzen! –