Der Kienspan verlosch, aber die Kohle glimmte noch lange wie das Gedenken der Liebe an ein verblichenes Herz. –
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An den Fenstern blühten wundervolle Eisblumen und durch dieselben schimmerte die Morgenröthe.
Waberl ging und machte Feuer in dem Ofen und molk die Ziegen zur Suppe für die Kinder. Die Ziegen gaben heute weniger Milch als sonst; vielleicht weil Waberl nicht sang? Als die Kinder erwachten, sagte sie, sie sollten heute still sein und beten, es sei die Großmutter gestorben. Darauf durften sie die Leiche ansehen und Hansl sagte, sie sei nicht gestorben, sie sei ja noch da und schlafe nur. Dann küßte Waberl ihre Kinder und konnte endlich weinen.
Nun holte sie ihren Wachsstock aus dem Kasten hervor, und als sie die Leiche mit einem Linnen überdeckt hatte, zündete sie den Wachsstock an und stellte das kleine Crucifix dazu, das sonst auf dem Hausaltar stand. Dann that sie ihre Arbeiten, wie sonst jeden Tag, und dachte fortwährend an den Abend, wenn er kommen und es sehen werde.
Draußen ging ein kalter Wind und fegte an den Schneemassen und wehte ihn in alle Fugen und an die Fenster, daß es ganz dunkel wurde im Häuschen und das Wachslicht einen gar eigenen Schein an die Wand warf.
Die Kinder fürchteten sich und gingen zur Mutter in die kleine Küche. Dort kauerte sie am Herdfeuer und betete, und die lustig flackernde Flamme heimelte sie an und erleichterte ihr Herz.
So erwartete sie den Abend. Er kam, aber – Mirtl kam nicht. – Lange war die Stunde schon vorüber, um welche er sonst an die Thür klopfte, sein Weib und sein Mütterlein begrüßte und die Kleinen an den Schnurrbart drückte. Heute war diese Stunde schon längst vorüber. Er konnte ja nicht kommen, es war unmöglich; der Schnee lag klaftertief und vom Schlag bis zur Hütte hatte man im Sommer gute drei Stunden.
Vielleicht hatte er’s versucht, und er ist weiter gewatet und weiter, bis er immer mehr einsank, ermüdet ein wenig ausruhen wollte und einschlief und – verweht wurde. – –