Sie todt, und begraben mit ihr im Schnee, getrennt von ihm und von aller Hilfe und von allem menschlichen Trost!

Solche Gedanken folterten das arme Weibesherz. Waberl stürzte zum Fenster, riß es auf, als wollte sie zu Hilfe rufen die Bäume, den ganzen Wald und Erde und Himmel! Dann schwankte sie wieder zur Herdlehne und zog die Kinder an die stürmende Brust, als seien sie nunmehr ihr Einziges und Allereinzigstes, an dem sie Gattentreue und Mutterverehrung, in unendlicher Kindesliebe vereinigt, zu verschwenden habe! –

Die Herdflamme war ausgegangen. Sie sah es nicht, sie hielt die Kinder in den Armen und barg ihr Gesicht in die jungen Locken. – Da klopfte es an der Thür.

Waberl sprang auf: „Da ist er, Gott sei Lob und Dank!“

Sie zündete einen Span an und ging zu öffnen. Die Thüre wollte nicht aus den Riegeln; von außen drückte eine zu große Schneelast an dieselbe. Jetzt wich sie: „Endlich bist Du da, Mirtl, grüß Dich zu tausendmal Gott!“ jubelte sie dem Eintretenden klagend entgegen. Dann stieß sie einen Schrei aus und der Span entfiel ihrer zitternden Hand.

Es war nicht Mirtl; es war ein fremder Mann.

Dieser sagte: „Beruhigt Euch, gute Frau; ich bitt’ Euch nur um ein Lager für diese gräßliche Nacht.“

„Ja, bleibt, aber mein Mann, – kommt er auch? Habt ihn nit gesehen; wißt nichts von ihm? Ich bitt’ Euch!“ jammerte Waberl.

„Ich kenn’ ihn nicht.“

„Ihr kennt ihn nit, meinen Mann, den Holzknecht Mirtl; ja, seid Ihr nit vom Dorf herein?“