„Mirtl! der Holzknecht Mirtl ist Euer Mann?“
„Nit wahr, ’s hat ihn nit verschneit! – oder hat’s ihn? sagt es nur gleich heraus, ich ertrag’ es schon – ich ertrag’ Alles! – Alles!“
Die Kinder weinten. Der Fremde suchte das aufgeregte Weib zu beruhigen und sagte, daß Mirtl nicht todt sei, daß er kommen werde, er habe ihn gesehen, auch gesprochen – im Schloß – im Dorf draußen, aber heute könne er nicht mehr kommen, heute nicht mehr. Grüßen ließ’ er sie. – Dabei war der Mann selbst aufgeregt und schüttelte mißmuthig den Schnee von den Kleidern, lehnte den Stock und ein Gewehr an die Wand und warf den Hut mit seinem hohen Federbusch auf die Bank, die ihm das nun etwas beruhigte Weib zum Niedersitzen hinstellte.
Der Fremde war ein großer, schöner Mann in eleganter Jagdkleidung und mit langem Knebelbart, an dem noch Eis hing. Die Kleinen fürchteten sich vor ihm, bis er jedem ein freundliches Wort gab.
Waberl stand am Herd und blies die Glut an. „Mögt Ihr doch eine Suppe?“
„Dank Euch; hab ein bischen Schnaps bei mir. Aber das ist Euch eine verdammte Geschichte, hab’s noch nicht erlebt so. Soll der Teufel alle Jägerei holen! – ’s war aber nicht so arg heut’ Morgens, und neuer Schnee, sagt man, ist des Hasen Weh’; ’s ging auch ganz vortrefflich bis in den Mittag hinein – schieß’ sogar ein Thier. Verlier’ ich Euch mein Gefolge und finde in diesem Höllengestöber die Spur von keinem Teufel. Meint Ihr, der Hund käm’ mir nach, oder ich hört’ wenigstens ’nen Schuß? – Nein. Ich geb’ Nothschüsse und verpuff mein Pulver bis auf den letzten Kern. Umsonst! Als ob sie alle die Erd’ verschlungen hätt’, die Sakramenter. Gab Euch ein gut Stück Arbeit, bis ich da vom Kamm ’rab komm! Ist doch der Schnee bald mannstief! Fall ein Dutzendmal bis unter die Arme ein und wie’s nun gar finster wird – mein’ schon, ’s ist aus mit mir – seh’ ich zum Glück das Licht Eurer Hütte. – Wie weit rechnet Ihr bis da zur Schlucht ’nein, Frau?“
„Mein Gott, hat unsere alte Mutter nit mehr braucht, als eine kleine Viertelstund. –“
„Und ich wat’ Euch gute zwei Stunden da ’raus. Sakra! Ich spür’ ja gar keinen Finger und keine Zehe mehr!“
„Zieht Euere Schuh aus und setzt Euch auf den Herd da – ich bring Euch Schnee herein, der zieht die Gefrür aus – so! Aber zieht doch den Rock aus, er ist ja pritschlnaß. ich geb’ Euch eine Joppen von mein’ Mann. – Mich deucht, wann der Mirtl doch nur auch da wär!“