„Kommt morgen! Ein paar Schneereif’, Frau, sind gewiß im Haus? sonst könnt ich kaum fort; es werden aber schon meine Leut’ kommen.“

So wurde geholfen und gesprochen und berathen. Hernach aßen die Drei ihre Suppe und beteten laut ihr Tisch- und Abendgebet. Dem Fremden kam das recht eigen vor, und wie die Kleinen so unschuldig aufblickten und noch ein Vaterunser für die Großmutter, die gestorben, und für den Vater, der nicht gekommen sei, beteten, bekam’s ihn wie ein Zittern im ganzen Leib, und als müsse er fort, in der Nacht noch, augenblicklich, und befehlen und erlösen. –

Nach dem Gebet fragte Waberl den Fremden, ob er gleich schlafen zu gehen wünsche, sie trage ihm Stroh in die Küche; oder ob er mit in die Stube gehen wolle, sie und die Kinder würden heute durch die Nacht aufbleiben, weil sie einen Todten hätten.

Das war eine neue Ueberraschung für den Mann und er wollte den Todten sehen.

Der Mann stand, fern von seinen Prachtgemächern und seinem Ueberfluß, in der Wildniß, mitten in einer Hütte voll Armuth und Noth und Grauen, und starrte in das stumme Todtenantlitz der Greisin und in die abgehärmten Züge seiner Wirthin und in die frommen Engelsgesichtchen der beiden Kinder.

Es war ein tiefes Schweigen, ein allgewaltiger Augenblick – der Mann sank wie gebrochen auf einen Stuhl und verdeckte mit den Händen seine Augen, daß er nichts, gar nichts mehr sehe.

Aber draußen um die Hütte herrschte ein fürchterlicher Sturm, ähnlich dem in seinem Herzen. Das Rauschen der Tannen, das Tosen an den Pfählen und Wänden der schutzlosen Hütte drang schauerlich an ein ungewohntes Ohr.

Aber Waberl hörte von all’ dem nichts. „Gelt, guter Herr,“ sagte sie, als sie die Erregung des Fremden gemerkt hatte, „gelt? Mein lieber Gott, er hat sie noch so gesund und wohlauf verlassen und im Fortgehen noch gesagt: Werdet mir nit älter derweil, Mutterl, und bleibt alleweil lustig! – Und jetzt ist ’s so. Nein, der wird aber hausen (sich grämen)!“

Hansl war auf dem Stuhl eingeschlafen und Waberl brachte die Kinder in’s Bett.

Der Fremde kauerte im Winkel hinter dem Ofen und horchte dem nächtlichen Sturm. Die Fenster waren verweht und verfroren. Waberl bat den Mann, daß er schlafen gehe und nicht etwa auch noch krank werde, er sehe so unwohl aus. Aber der Fremde sagte, daß er doch nicht schlafen könne.