Nach Mitternacht ließ der Sturm nach und man hörte ihn nur mehr von der Ferne wie ein dumpfes Nachdonnern nach einem Gewitter.

Dem Manne waren endlich die Augen zugefallen; aber Waberl saß bei der Leiche und betete. Die Lider waren ihr schwer – sie verlor sich und träumte unzusammenhängende Bilder aus heiteren Zeiten. Da hörte sie aus Fernem gleichmäßige Schritte, die immer näher und näher kamen. Waberl fuhr plötzlich auf. Sie hörte nichts sonst, als das Ticken der Uhr.

Das Weib schaute auf die schlummernden Kleinen und drückte auf die Wangen einen Kuß, in welchem alle Freude und aller Schmerz des Mutterherzens aufgelöst waren.

Der Fremde mußte schwere Träume haben, er war sehr unruhig und seufzte. Waberl war besorgt um ihn und dachte bei sich, wie es doch gut sei, daß er gekommen. Er war ihr ein Trost in diesen Schrecknissen, die sie allein wohl kaum zu ertragen vermeint. War es wer immer, er werde das ja endlich wohl sagen, er sei nun Hausfreund und müsse helfen, helfen, bis Mirtl da und Alles wieder besser wäre.

Es mußten dicke Wolken am Himmel hangen, es wollte in solchem Wetter nicht recht Tag werden.

Der fremde Mann erwachte auf seiner Bank, rieb sich die Augen und entsann sich seiner Lage. „Will denn diese gottverdammte Nacht kein Ende nehmen?“ murmelte er aufspringend und auf seine Uhr sehend. Sie mußte von der Nässe gelitten haben und stand. Die Wanduhr zeigte im düsteren Schimmer des Wachslichtes die achte Morgenstunde.

Waberl, die an der Wand herum gegangen war und die Fenster geprüft hatte, rang sprachlos die Hände.

„Was habt Ihr denn schon wieder?“ fuhr sie der Fremde an, „ob’s nicht licht wird in diesem Loch, frag’ ich Euch!“

Da wankte das trostlose Weib auf ihn zu: „Flucht nit, wir sind verschneit und verweht.“

„Verschneit? Was habt Ihr da gesagt! Verschneit und verweht?“