Er rannte wie wahnsinnig zu den Fenstern. Verschneit und verweht! Abgeschlossen von aller Menschenhilfe, gehüllt in ewige Nacht – lebendig begraben, – verhungernd – zerschmettert, wenn das Dach seiner unberechenbaren Last weicht und einstürzt. Verschneit und verweht! –

Und es blieb Nacht in der Hütte.

Der Fremde hatte sich ausgetobt. Jetzt saß er am kleinen Tisch und starrte sprachlos in die Flamme des Kienspans. Waberl mußte ihn trösten. Sie sagte, daß man durch den Rauchfang Tag schimmern sehe, und daß Mirtl schon kommen werde, um sie Alle zu erretten.

Da lachte der Mann auf. Es war fürchterlich, wie er auflachte und das Weib und die Kinder erschreckte. „Heute noch nicht,“ murmelte er dann.

Nun machten sie Versuche, ob denn nirgends ein Ausweg. Sie öffneten die Thür; eine Schneemasse stürzte in das Haus, aber es blieb dunkel über derselben. Sie mußten tief liegen. – Durch den engen Rauchfang hinauszukommen, war unmöglich. Alles Rathen und Anstrengen vergebens.

Die Kinder hatten zuerst ihren Spaß, daß es heute finster bleibe; sie löschten in der Küche den Span aus und spielten „blinde Kuh“. Als aber die Mutter sagte, daß sie beten sollten zum lieben Gott um Hilfe und Errettung, sonst müßten sie Alle mitsammen sterben, da wurden sie denn doch ein wenig traurig.

Waberl war ein starkes Weib und hatte sich Fassung errungen. Sie ordnete Alles neu an und dachte nach, wie es jetzt werden müsse. Lebensmittel waren im Hause, sie müsse nur sehr sparsam damit umgehen. Die Ziegen geben ja täglich Milch, und wenn’s darauf ankäme, auf ein paar Wochen Fleisch. Brennholz lag im Vorhaus, und wenn dieses verbraucht, wolle sie die Wand zwischen Stall und Futterkammer angreifen. Und endlich müsse doch ihr Mann und Hilfe vom Dorfe kommen.

Vor allem beschloß Waberl, die Leiche der Großmutter mit Hilfe des Fremden auf den kühlen Vorboden zu schaffen.

Nach alldem schmeckte bei Tisch die Erdäpfelsuppe recht gut, aber der Fremde aß nichts, sondern versuchte nur einmal aus seiner Pfeife, welche reich und zierlich beschlagen war, zu rauchen. Dabei hing er seinen Gedanken nach. – Wird er wohl kommen? Nein, vor drei Tagen gewiß nicht. O Hohn des Schicksals! Das ist zu viel! Laß’ mich doch nicht so elendiglich verderben. – Wird man mich nicht suchen? Hunderte werden es, aber sie werden mich in diesem Schneegrabe nicht finden.

Den andern Tag war der Fremde endlich heiter und spielte mit den Kindern und sagte, sie sollen ihn den Vetter Franz nennen; zu Hansl sagte er besonders, er werde noch sein Firmpathe werden. Waberl versicherte er, daß Mirtl in einigen Tagen ganz gewiß kommen werde und sie möge in der Weile nur auf das Feuer Acht geben und wohl nachsehen, daß das Wachslicht am Vorboden nicht Schaden thue.