Der Mann aß nun auch, wenngleich wenig, von der Milchsuppe und den Kartoffeln und trank zu Durst mit den Anderen Wasser von aufgelöstem Schnee. Dabei lächelte er wehmüthig und sagte, die Kinder streichelnd, sie würden mitsammen schon noch einmal was Anderes bekommen. Fluchen hörte man ihn nicht mehr.

So ging wieder ein Tag dahin und die Bewohner der Hütte gewannen den „Vetter Franz“ recht lieb. Er wußte Geschichten zu erzählen und wie es draußen in der Welt und bei den reichen Menschen zugehe. Er zeigte ihnen seine Sackuhr und sagte, daß das, woraus das Gehäuse gemacht, Gold wäre. Sein Gewehr mußte er ihnen auch zeigen und erklären, und er fragte, ob denn der Vater keines habe. Die Kinder sagten Nein, aber Waberl erzählte, daß Mirtl wohl einmal eines gehabt habe, als noch Wölfe im Gebirge waren und böse Leute in der Gegend herumstrichen. Da sei aber der herrschaftliche Förster gekommen und der habe es mit fortgetragen, weil Unsereins, der mit der Jagd nichts zu thun, kein Gewehr haben dürfe. Zwar aufrichtig: Der Mirtl hätte wohl noch eins.

„Es giebt ja eine solche Unmasse von Wild in diesen Bergen herum; Euer Mann wird doch die Gelegenheit so dann und wann benützen?“ fragte der „Vetter“.

„Zu brauchen hätten wir schon was,“ meinte das Weib.

Der Fremde sah dem Span zu, dessen Kohle sich so merkwürdig ringelte. Hansl war noch im Anschauen und Untersuchen der Uhr begriffen und fragte, „ob’s denn mehr solche Sachen in der Welt gäbe?“

„Bei allen reichen Leuten, mein Kind,“ gab der Mann lächelnd über diese junge Einfalt zur Antwort.

„Ei, so sag’ mir einmal, Vetter Franz, wie wird man denn ein reicher Mann?“

Was sollte der Fremde wohl darauf antworten? Aber Julerl that’s für ihn. „Ein reicher Mann, Hansl?“ meinte sie, „wenn man ein Schloß nimmt und braucht die Leut’ zum Roboten.“

Der „Vetter“ war ernst und nahm die Kinder auf seinen Schoß. Er küßte sie und that im Herzen ein heiliges Gelöbniß.

Seitdem es Nacht in der Hütte war, hatte der Zeiger der Wanduhr zehnmal seine Runde gemacht. Das Stückchen Himmel, das durch den Rauchfang hereinlugte, war trüb, so trüb wie die Gemüther der Hüttenbewohner, deren letzte Hoffnung im Erlöschen war. Aber sie waren ruhig und ergeben. Nur der „Vetter“ war wieder einmal wie rasend, er müsse fort, er könne hier nicht umkommen.