„O Kind,“ sagte Kilian, „was laufst Du herum in der kalten Nacht?“
„Vater,“ flüsterte das Mädchen, „es ist was geschehen. Ich getraue mich nicht mehr hinein.“
„Er soll Dir Ruh’ geben!“ sagte der Vater strenge.
„Mir nicht,“ schluchzte sie, „mir thut kein Mensch was, aber – das fremde Weib wird gestorben sein. Es liegt ganz kalt und starr im Bett und ist nicht aufzuwecken.“
Jesus und Maria! denkt sich der Köhler, jetzt ist diese Frau gestorben.
Er eilt mit seiner Tochter auf den Dachboden – ganz still machen sie es, daß Niemand aufwacht. Dann schlägt er mit Schwamm und Stein Feuer, und bei diesem matten Glimmen sieht er’s, mit seinen zitternden Händen fühlt er’s – die Harfenspielerin ist todt. –
Jetzt saßen sie lange am Bett, der schwarze Köhler und sein weißes Töchterlein, und beriethen, was zu machen sei.
„Wenn ich an den armen Mann denke, will mir das Herz abspringen,“ sagte das Mädchen.
„Jetzt lassen wir ihn schlafen,“ sagte Kilian, „er mag sich ausruhen und stärken. Wenn er des Morgens wach wird, da müssen wir ihn halt in Gottesnamen vorbereiten. Kannst mir’s glauben, Agnes, ich weiß wie das thut! Lieber einen Finger von meiner Hand, als ihm das sagen! Es ist ein hartes Kreuz!“
Sie hüllten eine Leinwanddecke über den Leichnam, wie es sonst ist, wenn der Mensch schläft. Dann stiegen sie vorsichtig über die Leiter und dann gingen sie hinaus zu den Meilern und arbeiteten. Sie sagten kein Wort und arbeiteten.