Und als allmählich ein kühlerer Lufthauch wehte, und als es nach und nach lebendig wurde in den Bäumen und der Morgenstern aufging, trat der Baldl aus dem Hause, ging zum Bach und wusch sein Gesicht. Und als dieses Gesicht recht frisch und heiter war, ging er hin zu den Arbeitenden und sagte: „Was giebt’s denn da in aller Früh zu thun, daß Ihr den Hahn um den Weckerlohn bringt?“
Agnes eilte zu ihm heran, als wollte sie seinen Mund verhalten: „Sei still, Baldrian, es ist heute Nacht ein Unglück geschehen in unserem Haus. Da oben unter dem Dach liegt eine Leiche.“
„Die Musikantenfrau?“
„Ist gestorben. Geh’ jetzt hinauf auf den Steinkogel, und mach’ ein großes Feuer, damit die Holzleute und die Almer wissen, daß wir einen Todten haben.“
Der Bursche schüttelte den Kopf, als könne er die Sache nicht sobald fassen.
„Ja, mein Sohn, so sterben sie wieder auseinander,“ sagte Kilian. „Geh’ und bete unterwegs Dein Morgengebet.“
Der Baldl ging auf den Steinkogel, wo man über die Wälder hinaussieht in das weite Thal und auf die Berge und Almen. Dort trug er Reiser zusammen, und als die Morgenröthe aufging, brannte auf der Höhe ein großes Feuer.
Die Menschen, die es von ferne sahen, sagten zu einander: „Dort brennt ein Todtenlicht!“ und beteten für die abgeschiedene Seele.
Agnes und ihr Vater arbeiteten noch immer auf der Kohlstätte, da gab es stets zu thun, und wäre das nicht gewesen, so hätten sie sich heute zu thun gemacht. Sie wollten nicht in das Haus gehen, damit der alte Mann nicht in seiner Ruhe gestört werde. „Er soll schlafen, so lange es ihn freut,“ sagte Kilian, „es kommt für ihn ein schwerer Tag.“
Aber als die Sonne aufging, steckte der Harfner sein graues Haupt zum Fenster heraus und rief: „Guten Morgen!“