„Guten Morgen,“ sagte der Köhler.
„Ihr seid schon so fleißig und ich faullenze in den Tag hinein. Aber es ist gut schlafen in Eurem Haus.“
Sie gingen zu ihm in die Stube. Agnes machte auf dem Herd Feuer und kochte das Frühstück. Kilian nahm die Harfe in die Hand und sagte: „Das wird sich schwer machen lassen, drei Saiten auf einmal.“
„Mein Weib hat neue,“ antwortete der Musikant. „Aber das gottlos lange Schlafen von ihr! Sie ist doch recht müde geworden auf dem weiten Weg.“
„Jetzt esset mit uns eine gute warme Suppe,“ sagte Kilian und theilte die Holzlöffel aus.
Der Harfner blickte durch das Fenster und fragte: „Sind das die Hirten, die da oben auf dem Berg das Feuer gemacht haben?“
„Das Feuer habe ich auch schon gesehen,“ meinte der Köhler, „Hirten sind es nicht, es ist ein Todtenfeuer.“
„Ein Todtenfeuer, wie ist denn das?“ fragte der Musikant.
„Wenn in unserem Walde wer stirbt, so zündet man da oben ein großes Feuer an, damit es die Leute wissen. Es geschieht nicht selten; im Wald ist oft ein Unglück; Alte und Junge trifft’s, der Mensch muß d’rauf gefaßt sein.“
So sagte Kilian und jetzt erst bemerkte der Harfner das ernste Gehaben des gestern so fröhlichen Kohlenbrenners und die verweinten Augen des Mädchens.