Als Martin einmal an einem Sonntagsmorgen der Nothburga begegnete, die, das Gebetbuch und einen Blumenstrauß in der Hand, zur Kirche ging und ihn im Vorübergehen mit ihren blauen Augen heiter anblickte, da blieb er stehen, sah dem Mädchen nach und sagte zu sich: „In der könnte es liegen, in der!“
Seitdem sah er Nothburga oft, bis er einmal zu ihr hintrat und sie fragte: „Nothburga, hast Du mich so lieb wie alle anderen Menschen?“
Darauf sagte das Mädchen: „Du einfältiger Wurzelgraber, ich hätte Dich gar lieber, wenn...“
In diesem Augenblick flog hinter dem Gebüsch ein Wildhuhn auf und die Rede der Nothburga kam nicht zu Ende. –
Heute zur Kirchweih waren sie unten im Städtchen und zusammen beim Tanz. Als Martin das Mädchen an die Brust drückend sich durch den Tanzboden wand, dachte er bei sich: Ich hätte es, jetzt mögen auch die Anderen schauen, daß sie fertig werden!
Da entstand im Vorhaus ein Streit zwischen mehreren Burschen wegen einer Tänzerin, er wuchs und wuchs, Wein und Eifersucht waren auch im Spiele, – ein schwerer Keil sauste hin und der Wegmacher Niklas, der Bruder Nothburga’s, taumelte und stürzte an der Treppe nieder. Sein Schwesterlein rief er noch, aber als dieses kam und seinen blutströmenden Kopf in die Arme faßte, da starrten es seine Augen wohl noch an, aber diese waren steif und bewegten sich nicht mehr.
Nothburga hatte einen frischen Rosmarinstamm an der Brust, den gab sie nun ihrem Tänzer Martin: „Da, nimm ihn, er ist nicht für mich – sie haben meinen Bruder erschlagen!“
Und Martin nahm ihn, ging fort aus dem Haus und aus dem Städtchen und über Thal und Hügel – immer aufwärts gegen den Hochpaß. Er war verwirrt.
Dort, unter dem Lärchbaum brach er erschöpft zusammen, als ob auch ihn ein Keil getroffen hätte, dann starrte er zum bemoosten, verwitterten Crucifix auf und flehte im Herzen: „Vater unser, zu uns komm’ Dein Reich!“