Und wer jetzt in Martin’s Herz geblickt hätte!

Dort wurde ein Märchen wach, wie es einst in einer stürmischen Herbstnacht die Großmutter erzählt hatte. – Im Herzen des Kindes! – Ja, hier liegt ein Geheimniß, eine Zaubermacht – im Herzen des Kindes liegt Himmel und Glückseligkeit – Alles. Und darum hat jener Zauberer, von dem die Großmutter erzählte, ein Kindesherz geraubt und verzehrt sammt dem Geheimniß und der Macht, und er ist allmächtig geworden bis auf Eines. – Ei, dieses Eine – seinen eigenen Namen hat er vergessen und nicht mehr gefunden – er war namenlos. – Vielleicht auch das nicht, wenn er das Geheimniß zu Nutz und Frommen der Menschheit angewendet hätte. – –

Endlich, endlich gefunden, du bleicher Bursche – im Herzen des Kindes!

Ach, Martin, das Märchen der Großmutter war lehrreich; der Zauberer war namenlos geworden, er hatte den Namen Mensch verloren, er hatte ja eine unmenschliche That begangen. Martin, und wie hast Du es so unglücklich falsch verstanden mit Deinem einfältigen Wesen!

Martin bebte, er hielt sich an dem Thürpfosten und wie im Lippenkampf preßte er die Worte hervor: „Auch im Herzen eines Kindes, das todt ist?“

„Auch in dem,“ sagte die Bettlerin.

Der Wurzelgraber erhob sich und ging über die Haide.


Der Mond stand wieder frei und klar am Himmel, als Martin mit einem kleinen Spaten, den er zum Ausgraben von Wurzeln und Kräutern zu verwenden pflegte, von dem Hochpaß, wo der Lärchbaum steht, niederstieg durch den jungen Wald gegen die Schlucht.