Es ist drückend zu erzählen, wie der Mann gekämpft hatte mit seiner Muthlosigkeit, mit seiner Gespensterfurcht, wie er die Stunde beschwor und sich einsegnete mit allen Kreuz- und Wunderzeichen.
Dort stand die Kapelle.
Der Mond war hinter die Felsen gezogen.
Behend und geräuschlos, wie sonst nie, eilte der Wurzelgraber. Plötzlich trat er auf lockeres Moos und sein Fuß stieß an ein Kreuzlein, das im Boden stak. „Hier!“ sagte er und kauerte sich nieder. Fester faßte er den Spaten in die Hand und noch einmal rief er alle guten Geister an. Aber in dem Augenblick, als er das Eisen in den Boden graben will, beginnt es auf dem Thurme der nahen Kapelle zu rasseln und zu klappern, als ob hundert Todtengerippe tanzten.
Martin sprang auf und floh in das Gebüsch.
Das Geräusch währte eine Zeit fort und wiederhallte seltsam im Walde. Endlich war es wieder still.
Vielleicht ist das Uhrwerk abgelaufen, – kam es dem Wurzelgraber in den Sinn, aber er zitterte an allen Gliedern und die Kniee wollten ihm zusammenbrechen. Er beschloß nun, mit seinem Werk zu warten, bis der Tag anbreche.
So blieb er im Gebüsch versteckt, bis der erste Vogelsang wach wurde, bis es graute und sich lichtete und bis über den Ebenen das Morgenroth aufging.
Jetzt begab sich Martin wieder an die Stelle, wo das Kreuzlein stak. – Hier liegt das Kind der Bettlerin begraben ... Das Herz eines Kindes, das schlummert, – das Geheimniß, die Zaubermacht, das Reich Gottes.