Emsig warf Martin das Moos und die Erde aus, mit dem Spaten und mit allen Fingern grub er und endlich stieß er auf den kleinen Sarg.... Den scharfen Spaten stemmte er zwischen die Fugen – es krachte und der Deckel sprang ab.
Da lag es nun, in Lumpen, winzig und bleich und steif, das Menschenkindlein, zusammengekauert, die Händchen über die Brust gekreuzt, wie im Mutterschoß.
Leise rauschte es in den Blättern und Nadeln, auf allen Wipfeln sang und klang es – das Morgenroth strahlte in das Gräblein.
Martin’s Antlitz war fahl, seine großen Augen rollten unstet, zum erstenmal war es ihm, als sei das, was er nun begehen wolle, eine ungeheuerliche That.
Aber im Herzen des Kindes liegt es, und jener Zauberer nahm es heraus und wurde allmächtig! Und die Großmutter hatte die Geschichte so oft erzählt und im Gebirge wurde viel von derlei gesprochen.
Im Beinkleid, am rechten Oberschenkel hatte der Wurzelgraber seine Messerscheide stecken. Nach dieser griff er nun und zog ein schmales, langes Messer hervor, wie es die Gebirgsbewohner als Taschenklinge bei sich tragen.
Als Martin die zarten Händchen der Leiche von der Brust wegziehen wollte, fiel es ihm ein, daß auch die Finger eines neugebornen Kindes etwas Wunderbares an sich haben. Diebe brauchen das; wenn sie in irgend einem Hause, wo sie sich zur Nachtzeit zum Raube eingeschlichen, so ein Fingerchen anzünden, so brennt das wie ein Kerzlein, und so lange es brennt wird kein Mensch im ganzen Hause wach.
Aber nein und nein, Martin war kein Dieb, er schauerte vom bloßen Gedanken; er wollte ja nichts sonst von der armseligen Leiche als das Herz, in dem das Reich Gottes liegt.
Zu diesem Zwecke nun schiebt er die steifen Händchen zurück. – –