Es war nach Tagen.

Martin saß traurig in einer Kammer und zählte die kleinen, sechseckigen Scheiben am Fenster. Die Kammer war wohl größer und wohnlicher wie seine Hütte daheim im Walde, aber die Thür war verschlossen.

Eine Kreuzspinne war ihm zum Herzen gekrochen – und nun saß er im Gefängniß!

Er mußte einen großen Fehler begangen haben, das war ihm jetzt klar, aber, wenn er nur beweisen könnte, daß er kein schlechter Mensch sei! Wenn doch nur die Thür nicht versperrt wäre, damit er zeigen könnte, daß er auch freiwillig bliebe und seine Strafe leide.

Ein Mann brachte ihm täglich Suppe, Gemüse und Brot, machte ihm das reinliche Strohbett, und als es einmal draußen regnete und der Wind im Hollunderstrauch vor dem Fenster schwirrte, feuerte er gar in den kleinen Blechofen. Es kamen die ersten Wintertage, wüster und heftiger schlug der Wind an das Fensterchen und pfiff schrill durch die Fugen; endlich wurde es ganz grau vor den Scheiben und Flocken tanzten und der Schneestaub legte sich in die Fensterwinkel. Da kam der Wärter öfter und machte Feuer in dem Ofen. Das kam dem Burschen liebreich vor, so arg mußten es denn die Menschen doch nicht haben auf ihn.

Und dennoch schlug Martin seine rauhen Hände oft heftig vor die Stirne und stampfte in Verzweiflung mit dem Fuß. – Wenn ein Mann im Gebirge arbeitet, tagtäglich von seiner Kindheit an arbeitet – und mit einemmale muß er ruhen und unthätig sein, müßig bei gesunden Gliedern, muß dasitzen zwischen den Mauern, und draußen harret die Arbeit – das ist eine Pein für den an Thätigkeit gewöhnten Mann.

Martin litt diese Folter.

Sein ganzes Wesen ging dahin, daß er wieder daheim auf seinen Höhen sei, dort wolle er arbeiten und graben und seine Hütte vergrößern, und Nothburga zum Weib nehmen. Alle Welt möge gehen, wie sie geht, sie sei des Glückes nicht werth.

Einmal bat Martin den Wärter, dieser möge ihm Stroh bringen, er wolle Strohschuhe flechten, aber der Wärter brachte ihm keinen Halm. Da weinte der Bursche und klagte: „Das thun sie mir zur Pein an; mir wär’ es tausendmal lieber, sie gäben mir nur Brot und Wasser, aber Arbeit dazu!“