Aber dieser wehrte kühl ab und ohne noch ein Wort zu sagen, setzte er sich an seinen Tisch. –
Die Richter erhoben sich von ihren Sitzen und traten in ein Nebenkabinet.
Der Staatsanwalt und der Vertheidiger, die sich anscheinend eben feindlich gegenüber standen, gingen jetzt zusammen und plauderten in einer Fensternische. Das Volk war unruhig und erging sich in Muthmaßungen über das zu erwartende Urtheil. Die Kerzen brannten matt und ruhig neben dem Kreuzbild und Martin saß auf seinem Schemel und starrte zu Boden.
Endlich, nach einer geraumen Zeit öffnete sich die Thür des Kabinets, die Richter traten heraus und der Vorsitzende verkündete das Urtheil.
Da Sturm und heftiges Schneegestöber wütheten, so wurde dem Wurzelgraber gesagt, er könne noch einen Tag in dem Hause bleiben, in welchem er in der Untersuchungshaft war, und man wies ihm eine wohnliche Stube an. Ein Mann brachte auch Stroh und Bindwerk in die Stube, daß er, wenn er wolle, Strohschuhe flechten könne. Aber Martin ließ das stehen, er sah immer nur durch das Fenster in das grau verschwommene Wehen und Wogen des Schneegestöbers hinaus. Das Fenster hatte kein Gitter, die Thür war nicht verschlossen, der Ofen war warm. Er war kein Gefangener, er war Gast und morgen lichtet sich der Himmel und es geht heim zu.
– Aber wenn doch eine Schuld in dir läge, Martin, und wenn sie dich morgen von dieser Stube wieder in den Kerker führten? – Daheim steht deine Hütte, daheim harrt Nothburga; die Hütte ist verlassen, Nothburga denkt deiner in Lieb’ und Schmerzen. Und all die Menschen halten dich für einen Missethäter! Wer soll da noch säumen eine ganze lange Nacht, wer soll da nicht heim und wenn Spieße vom Himmel fielen? –
So sann Martin, als er durch das Fenster sah.
Und als es zu dämmern begann, da hielt es der Bursche nicht mehr aus, fest zu knöpfte er seinen Rock, tief in die Stirne drückte er seinen Hut, dann schlich er fort aus der Stube, aus dem Hause wie ein Dieb.
Die Gassen des Städtchens waren leer, überall lag hoher, lockerer Schnee, ein schneidender Wind wehte dem Dahineilenden Flocken und Eisnadeln in das Gesicht. Aus den Fenstern strahlten Kaminfeuer und Abendlichter, Martin eilte davon, so gut es ging. Außerhalb des Städtchens war bald kein Weg und kein Steg mehr zu erkennen, aber der Wurzelgraber schritt rüstig über den Schneeboden dahin, gleichgiltig, ob auf Weg oder Feld oder Haide, die Richtung wußte er ja und er wußte auch wohin.