Endlich gelang es einem der Ringenden sich aufzuraffen, den andern von sich zu schleudern, sich auf das Pferd zu schwingen und im vollsten Galopp davon zu rennen.
Auch der Zweite erhob sich, schüttelte den Schnee von Kleidung und Bart, sah dann dem dahin eilenden Pferde nach und schüttelte den Kopf. „’s ist ein Glück, daß mich der Hallunke nicht erwürgt hat,“ brummte er, „das Knie preßte er mir lang’ genug in den Hals. Die Uhr mag er denn haben und mein Brauner, der wird mir schon wieder kommen. – Ach Gott, da hab’ ich ja Einen erschossen!“ rief er aus, als er unseren Martin auf dem Boden liegen und sich winden sah.
„Gerade durch’s Bein,“ wimmerte Martin, „und jetzt kann ich gar nicht weiter!“
„Du Allmacht, das ist ja der Wurzelgraber Martin!“ sagte der beraubte Mann, „aber wie kommst Du doch um des Himmels Willen unter die Straßenräuber?“
Der Arme jammerte und that den lauten zitternden Ruf: „Jetzt, was ist geschehen?“
Der Andere stand einen Moment sinnend da. „Martin,“ sagte er dann gedämpft, „steht’s so mit Dir? Nein, wenn ich gewußt, daß Du es bist, ich hätte nicht geschossen, aber sei nur ruhig, ich werde Dir das Blei schon wieder herausziehen. Mit dem Verbinden aber müssen wir’s schnell machen, dann nehm’ ich Dich mit hinaus in das Dorf.“
„Nein, in’s Dorf nicht, wenn ich Euch bitten darf, tragt mich hinein in die Stadt zum Gericht, sie werden Euch’s lohnen!“
„Zum Gericht später, jetzt komm’, ich trag’ Dich schon in’s rechte Haus.“
„Aber, ich weiß nicht, wie das ist; seid Ihr angefallen worden? Zuletzt ist wohl gar – ach, ich weiß nicht und ich versteh’s nicht – Jesus, ich bin wahnsinnig geworden!“
„Ruhig, wir müssen eilen, Dein Blut fließt in den Schnee und in Hochdorf liegt Jemand in Sterbensnoth!“